Archiv des Autors: AvK in der weiten Welt

Quad-Riding in der Wüste, Tag 9

Heute haben wir etwas getan, was ich als protestantische Spaßbremse bis vor Kurzem als dekadent und gradezu frivol bezeichnet hätte, weil mein Über-Ich der Meinung war, alles Schöne im Leben müsse hart erarbeitet sein: Wir sind zu viert (inkl. Guide) mit jeweils einem Quad in die Wüstenausläufer bei Swakopmund gefahren, zwei Stunden lang und es war geil! Wenn auch nicht ganz so einfach wie es aussieht, Katha hat sich schlapp darüber gelacht, dass ich bergauf einmal stecken geblieben bin. Es gelang mir nicht, den Guide davon zu überzeugen, dass es an der Maschine lag, da es ihm ohne weiteres gelang, das Teil den Berg hinauf zu fahren …

Obwohl Elektrofahrzeuge sicher zeitgemäßer wären, ist es nebenbei eine tolle Art, in die Wüste hinein zu kommen und so viele Alternativen gibt es auch nicht. Ein Fahrrad ist jedenfalls keine, Jeeps wären auch nicht passend und die armen Kamele sind nicht mal wirklich im Süden von Afrika beheimatet, sondern aus der Sahara importiert.

Landschaftlich war es faszinierend, so nah am Atlantik durch eine riesige Dünen- bzw. Wüstenlandschaft zu fahren, ein Grund für mich, Namibia bereisen zu wollen.

Nachmittags waren wir noch in Walvisbay, ein kleiner Urlaubsort ca. 30 km von Swakopmund entfernt. Die Straße dorthin verläuft direkt am Atlantik entlang, auf der anderen Seite sind die Wüstenausläufer, das ist einzigartig. Der Ort an sich ist furchtbar, völlig zersiedelt, mit gigantischen Siedlungen mitten in der Wüste und schrecklichen Mauern um alle Grundstücke herum, aber unsere Sicht der Dinge ist europäisch geprägt … wir haben doch noch eine sehr nette, wenn auch winzige Waterfront gefunden und dort war es schön.

Am Abend ist, nach mehreren, zunehmend schärfer werdenden Telefonaten und mit zwei Tagen und 90-minütiger Verspätung dann auch unser eigentlich reserviertes Mietauto eingetroffen, der arme Fahrer brachte es tatsächlich aus Windhoek zu unserem Hotel in Swakopmund und erzählte wilde Geschichten, die die Verspätung begründen sollten. Katha und ich entschieden am Ende, dass unsere Mietwagen-Probleme bzw. das Jammern darüber auf verdammt hohen Niveau stattfinden, haben uns beruhigt und waren noch lustig in einem Bistro Abendessen. Dort waren außer uns nur sog. Namibia-Deutsche, die sich in ihrer Muttersprache allerdings nicht besonders sicher fühlten, so konnten wir einige Formulierungshilfen für die Beschriftung von Plakaten für das geplante Oktoberfest beisteuern. Hier in Swakopmund, wie sicher auch in anderen Landesteilen, stellen die Nachfahren der Deutschen aus der Kolonialzeit einen nennenswerten Bevölkerungsanteil dar und kontrollieren anscheinend einen nicht geringen Teil der touristischen Infrastruktur. Sie sprechen sowohl Deutsch als auch Afrikaans und Englisch und sind Teil des namibischen Vielvölkerstaates, allerdings durch die Besatzungszeit und insb. die Zeit der Apartheid sicher deutlich gegenüber vielen anderen Bevölkerungsgruppen privilegiert. Prototypisch dürfte die Situation in unserer (sehr schönen) Unterkunft sein, hier sind alle Managerposten von Deutschen besetzt, die Zimmermädchen, Securityleute etc. hingegen entstammen indigenen Bevölkerungsgruppen. Die Gäste kommen zum großen Teil auch aus Deutschland. Es fühlt sich eigenartig an, so weit entfernt von zu Hause in einer Enklave des Deutschtums zu sein.

Tag 7 und 8: Windhoek und Fahrt nach Swakopmund

Am 30.09. haben Katha und ich uns nach den komplizierten Reiseverläufen, bei denen erstaunlicherweise alles fast bis auf die Minute geklappt hat, in Windhoek am Airport wiedergetroffen. Bei Namibia fällt ja jedem Bildungsbürger (und jede Bildungsbürgerin selbstverständlich auch) als erstes ein, dass es mal deutsche Kolonie war und dass insb. in Windhoek noch sehr viele Erinnerungen an diese Zeit bestehen. Das stimmt auch, trotzdem haben wir schon bei der Abholung des Mietwagens gemerkt, und dieser Eindruck sollte sich im Laufe der ersten Tage bestätigen, dass wir nun wirklich in Afrika sind. Ohne jetzt mich und die Leserschaft mit langen Schilderungen langweilen zu wollen: Nachdem wir längere Zeit gewartet haben, habe ich den hilflosen Jungen, der uns das nicht vorhandene Auto übergeben sollte, mit schärfer werdender Stimme auf die zunehmende Dunkelheit hingewiesen, woraufhin der Chef geholt wurde. Dieser stellte fest, dass die Fertigstellung unseres Autos (nein, es wurde nicht neu gebaut, vielmehr war wohl eine Generalüberholung nötig) noch lange dauern würde. Uns wurde dann das erstbeste Auto auf dem Hof in die Hand gedrückt, mit der Versicherung, dass spätestens in Swakopmund dieses Gefährt gegen das von uns bestellte (und bezahlte) 4-Wheel-Drive  ausgetauscht werde. John, so heißt der Chef, gab uns seine sämtlichen Kontaktdaten und wir warten nun … so etwas wäre in Kapstadt ebenso undenkbar gewesen wie in Deutschland. Fast noch schlimmer war, dass er lachend fragte, warum die älteren Deutschen die Ziffer 1 immer so komisch schrieben … mit älterer Deutscher meinte er … wen wohl?! John hat damit viel von seinem Charme spontan verloren!

Schon auf dem Weg in unsere Unterbringung fiel auf, dass die Einmauerung der Häuser in Windhoek noch ausgeprägter ist als in Kapstand, sollte Trump noch einen geeigneten Architekten für sein Mauerprojekt suchen, träfe er hier auf viel Erfahrung. Ein bisschen hatten wir das Gefühl, an einem riesigen Knast entlangzufahren. Auf den Fotos von unserem ansonsten wirklich schönen B & B ist das auch erkennbar.

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Abends waren wir noch in „Joe ´s Bierhaus“, eine Adresse, die zum Pflichtprogramm vor allem deutscher Touris gehört, aber anscheinend auch die einzige Möglichkeit darstellt, abends etwas zu essen und zu trinken zu bekommen. Eigentlich ein netter Biergarten, aber manchmal wäre weniger mehr, auch im Hinblick auf die deutschen Attribute. Die Gänge zwischen den Tischen haben Straßennamen, die zur Zeit der deutschen Besatzung von Deutsch-Südwest passen, allen voran „Kaiser-Wilhelm-Str.“, „Rudi-Dutschke-Str.“ wäre mal eine hübsche Provokation der Urlauber.

Was Straßen- und Ortsnamen, aber auch die Bezeichnungen von Betrieben unterschiedlicher Art, angeht, hat die deutsche Besatzungszeit wirklich viele Spuren hinterlassen, das mag damit zu tun haben, dass in dieser Zeit Teile der Infrastruktur erst angelegt wurden. Viel länger als unter deutscher (1884-1918) stand Namibia aber unter südafrikanischer Herrschaft (1920-1990), d.h., auch hier gab es Apartheid und sowohl englische als auch und vor allem burische Einflüsse. Und immer noch scheint es enge Verbindungen zwischen diesen Ländern zu geben, so kann hier auch mit dem süafrikanischen Rand gezahlt werden.

Am nächsten Morgen, 1.10., haben wir uns dann mit unserem (hoffentlich) provisorischen Mietauto auf den Weg nach Swakopmund gemacht, vorbei an weiteren „informel settlements“, durch wirklich afrikanisch wirkende Orte und eine beeindruckende Wüstenlandschaft.

Am Ziel fanden wir, wen überrascht es, einen echten Urlaubsort vor, in dem es ebenfalls viele Hinweise auf vergangene deutsche Pracht gibt. Die beiden Häuser auf den Fotos könnten doch auch an der Ostsee stehen:

Beeindruckend ist aber auch die Nähe von Meer und Wüste.

Die Bilder sind von der Dachterrasse unseres Hotels aus aufgenommen.

Auch in Swakopmund scheint, trotz des Badeortcharms, genügend Kriminalität zu geben, um den Bau von wehrhaften Mauern um die Grundstücke zu motivieren. Eine ästhetische Gestaltung ist den Architekten des Altstadtrestaurants (heißt wirklich so) gelungen, hier wurden Holzelemente in den Schutzwall eingebaut.

Andere Hausbesitzer hatten da weniger Skrupel.

5. und 6. Tag, Tsitsikamma und Port Elizabeth

Am 28.09. stand wenig auf dem Programm, wir haben unser Upgrade im wirklich netten Hotel in Knysna genossen und uns nach dem ungewohnt feudalen Frühstück aufgerafft, in den Tsitsikamma Nationalpark zu fahren und dort einen der kleineren Walks in Angriff zu nehmen.

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Dieser Spaziergang führte zu einer schwankenden Holzbrücke namens „Suspension Bridge“ (so heißen die alle in der englischsprachigen Welt) und hier geschah das Unglaubliche: Katha traute sich nicht, aber ihre ansonsten gräßlich höhenängstliche Mutter, die Brut macht sich regelmäßig darüber lustig,  nahm die Herausforderung an; was so ein Sabbatical nicht alles bewirkt.  Familiär gesehen verkehrte Welt! Hier ein Beweis- und ein Triumphfoto dieses denkwürdigen Ereignisses!

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Auf dem Rückweg haben wir einen Stop in Plettenberg am Strand eingelegt, lecker wir im Warmen gefuttert und die Surfer und Wellenreiter beobachtet.

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Abends haben wir dann noch die Waterfront in Knysna genossen, der netteste Ort an der Garden Route.

Auf unseren Autofahrten haben wir viele Townships in unterschiedlichen Größen gesehen, die daran erinnern, dass Südafrika zwar fantastische Landschaften, eine tolle touristische Infrastruktur mit wirklich gastfreundlichen Menschen (und wir waren auch in einfachen Unterkünften und nicht bonzig unterwegs), sondern nach wie vor massive soziale Probleme hat. Auch 25 Jahre nach dem Ende der Apartheid gehört den Nachfahren der Engländer und der Buren (den „Weißen“), die nur knapp 10% der Bevölkerung stellen,  drei Viertel des Bodens. Die Bemühungen des ANC, die Lebenssituation der Menschen in den Townships (zum allergrößten Teil People of Colour, hoffentlich genügt dieser Ausdruck auch den Berliner Maßstäben an PC) zu verbessern, fruchten nur sehr langsam, was auch mit den zum Teil absurd korrupten bisherigen Regierungen zu tun hat. Das Leben in den Townships ist aber nicht automatisch von Elend und Armut geprägt, hier gibt es große Unterschiede. Nicht nur die wirklich Armen, sondern auch die aufstrebende untere Mittelschicht lebt in diesen Siedlungen und zunehmender Wohlstand zeigt sich in Größe und Gestaltung von Häusern und Gärten. Andererseits ziehen viele sehr arme Menschen aus den ehemaligen Homelands und auch aus den Nachbarländern, z. B. Simbabwe, in die Townships am Rand der großen Städte und bauen sich dort einfachste Hütten (informell settling), in der Hoffnung auf ein besseres Leben. Obwohl ich schon einige Townships gesehen und mich über ihre Größe gewundert habe, war mir nicht klar, dass sehr viele von ihnen die Einwohnerzahl großer und sehr großer Städte erreichen und eine Infrastruktur aus Läden, Restaurants, Dienstleistungsanbietern etc. aufgebaut haben. In Soweto bei Johannesburg, der bekanntesten Siedlung dieser Art, leben über 1 Mio. Menschen.

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Diese Fotos hat Katharina aus dem fahrenden Auto gemacht! Und nicht nur diese, einige andere Bilder in diesem Blog sind ebenfalls von ihr, überraschenderweise z.B. die, auf denen die Verfasserin zu sehen ist.

Die Häuser und Siedlungen der Bevölkerung außerhalb der Townships sind durchgehend von teilweise martialischen Mauern und Zäunen umgeben, das Leben findet fast ausschließlich in gated Communities statt, muss man wollen …

Am 29.09., dem sechsten Tag der Weltreise, sind wir früh aufgebrochen und nach Port Elizabeth, dem einen oder anderen Ende der Garden Route, je nach Perspektive, gefahren. Hier trennten sich unsere Wege für eine Nacht, es klingt komplett idiotisch, aber wir sind auf unterschiedlichen Wegen nach Windhoek geflogen, Katha erstmal nach Durban, wo sie übernachtet hat, und von dort weiter nach Windhoek. Ich bin eine Nacht in Port Elizabeth geblieben und von dort nach Kapstadt und dann ebenfalls nach Windhoek geflogen. Das hat einfach damit zu tun, dass der erste Teil der Reise aufgrund akuter Ereignisse umgeplant werden musste. Wir haben aber noch zusammen mein Hotel aufgesucht, das jede Menge kolonialen Charme versprüht, seine besten Tage hinter sich hat, aber mit seiner Patina immer noch schön ist. Entgegen der Annahmen, die durch dem Namen und die ersten Eindrücke erweckt werden, ist es recht einfach. Aber die Leute sind sehr nett, die Managerin hat mich heute morgen spontan zum Airport gefahren!

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Hier in Port Elizabeth haben wir das erste Mal deutlich gemerkt, dass wir weit entfernt von zu Hause sind, ansonsten ist Südafrika sehr europäisch geprägt, zumindest in den Gegenden, in denen wir uns bewegt haben (Afrika für Anfänger). Hier waren wir wirklich überall, auch in der schicken Ecke, in der sich mein Hotel befindet, die einzigen Weißen.

Der Flughafen ist im Wesentlich dazu da, die Besucher der Garden Route, die Kapstadt nicht als Anfang, sondern als Ziel ihrer Reise sehen, abzukippen. Erstaunlicherweise zeigt sich am Airport ein ähnliches Bild wie auf der Garden Route; hier sind die Reisenden fast ausschließlich europäisch aussehend und das Personal nicht.

Ansonsten ist nix los in der Stadt, umgangssprachlich echt tote Hose. Bei meinem längeren Spaziergang in der Umgebung des Hotels gab es kein einziges Café oder Restaurant, um mal eine Pause einzulegen. Aber direkt neben dem Hotel ist ein netterPark, angelegt im Gedenken an Nelson Mandela.

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Deswegen der lange Aufenthalt im Hotel und viel Zeit, die Leser meines Blogs mit jeder Menge Text zu erschlagen.

 

Tag 4, George, Victoria Bay, Oudtshoorn und Knysna

Heute morgen sind wir in Mossel Bay gestartet und erstmal Richtung George gefahren – ja, das ist wirklich der Name eines Ortes, meine spontane Assoziation hierzu war, dass analog eine deutsche Stadt ja auch Günter heißen könnte, aber es wäre wohl eher Friedrich oder Wilhelm geworden. Na ja, in Australien gibt es einen Ort, der einfach 1770 heißt, nach dem Jahr, in dem Thomas Cook dort anlandete und das Unglück über den neuen Kontinent brachte, zumindest aus Sicht der indigenen Bevölkerung, die Engländer waren ja ganz froh, dort ihre Kleinkriminellen unterbringen zu können. Zurück nach Südafrika; in George kann man Golf spielen, was wir nicht tun, deswegen auch keine Fotos zu diesem Thema, oder aber baden gehen, zum Beispiel in der Victoria Bay, und die haben wir uns angeschaut.

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Danach sind wir aufgebrochen in die Kleine Karoo, eine Halbwüste mit noch angenehmem Klima, weil nicht durch einen Gebirgszug vom Meer getrennt. Über den Outeniqua Pass sind wir nach Oudtshoorn gefahren, die Landschaft war sensationell und nur schwer per Foto einzufangen, aber wir haben unser Bestes gegeben.

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9ED88C8C-3B54-43E7-ADE3-ECA950E086D3In Oudtshoorn sind wir zufällig auf der Straußenfarm (dort gibt es wenige andere Themen als die Straußenzucht) gelandet, auf der Micha und ich 2016 schon mal waren, deswegen auch das etwas dämliche Bild von mir mit dem Straußenei. Von Katha gibt es auch so eines, aber sie verweigert ihr Zustimmung zur Veröffentlichung. Dieses Bild stellt einen Akt der Solidarität mit Micha dar, von dem es ein ähnliches Bild zu familieninterner Berühmtheit gebracht hat. Er guckt darauf … naja, ratlos … Nun weißt du, wer wirklich zu dir hält!

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Ansonsten war das Ganze eine recht kommerzielle Angelegenheit, aber trotzdem interessant, wir haben u.a. unterschiedliche Straußenarten (Canyon-Strauße und solche aus Simbabwe, hier fehlt mir das passende Adjektiv, und aus Südafrika) und deren Vor- und Nachteile, das Fleisch, die Federn und das Verhalten betreffend, kennengelernt. Nichts, was einem im Alltag weiterhilft, als Teil eines globalisierten Bildungskanons aber nicht zu vernachlässigen.

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Fieserweise sind wir dann direkt von den lebenden Straußen in ein Restaurant gefahren, um dort ein Steak der gleichen Tierart zu essen, was schon darauf hindeutet, dass der Niedlichkeitsfaktor der Viecher sich in Grenzen gehalten hat. War aber eine zähe Angelegenheit (das Fleisch, nicht die fehlende Niedlichkeit) und muss von meiner Seite aus nicht wiederholt werden.

Von Essen sind wir dann direkt in die Urlaubshochburg Knysna gestartet, um dort unsere Unterkunft für die nächsten zwei Nächte aufzusuchen. Hierfür mussten wir in einem wirklich sehr edlen Hotel den Schlüssel für das von uns gebuchte Popel-Apartment abholen. Hierbei stellte sich heraus, dass auf dem Weg von booking.com zum Hotel unsere Reservierungsdaten verloren gegangen waren, obwohl schon alles bezahlt war. Unser Apartmenr war deswegen auch anderweitig vergeben. Ich fing gerade an, mich auf Betriebstemperatur zu bringen, als der sehr nette Mensch an der Rezeption uns mitteilte, diesen Lapsus tief zu bedauern. Selbstverständlich würde er uns eines der sehr schicken Hotelzimmer vor Ort, das heißt, hoch über der Stadt Knysna mit fantastischem Blick, zur Verfügung stellen, natürlich inkl. Frühstück. Zum ersten Mal keine Käsekräcker mit Nescafé morgens!

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Die Architektur unseres Zimmers ist so innovativ, dass auf eine Tür zwischen Bad, welches auch die Toilette beherbergt, und Zimmer verzichtet wurde. Wir finden es ein wenig gewöhnungsbedürftig, trauen uns das aber kaum zu denken, um uns nicht als Kreativ- und Fortschrittsbremsen zu outen. Nun sitzen wir auf dem Balkon mit eben beschriebenem und dargestellten Blick, morgen testen wir mal den dazugehörigen Garten, und lassen es uns gutgehen.

Tag 3, Farm und Mossel Bay

Bei Licht betrachtet entpuppte sich die Farm, auf der wir übernachtet haben, als wunderschön! Von unserem Fenster aus konnten wir friedlich grasende Buntböcke und andere Antilopenarten sehen, der Blick ging weit über hügeliges Land, im Hintergrund schroffe Berge, traumhaft. 905B08FE-045B-4E73-9F7C-EF3F6CE596287DCCF555-B92A-476B-B27F-46879483DE05E8937D64-035C-40B8-A95E-5279201D06EBDie Farm verfügt über 48 ha Land, und wir konnten sogar mit unserem hierfür leider komplett ungeeigneten Auto eine Gamedrive auf eigene Faust unternehmen. Hierbei haben wir dann auch die beiden Giraffen gefunden, die sich allerdings nur schwer verstecken können.

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Die Tiere, die eine unglaubliche Ruhe ausstrahlen, zusammen mit der leicht gewellten Landschaft erinnern an Vorstellungen von der Wiege der Menschheit, die ja in Afrika, wenn auch eher in Tansania, vermutet wird.

Außerdem entspricht diese Farm allen Klischees des kolonialisierten Afrikas: Die weißen Eroberer erschaffen sich ein kleines Paradies, in dem die unangenehmen Tätigkeiten an die eigentlichen Bewohner dieses Kontinents delegiert werden, genauso war es auch hier. Die Besitzerinnen waren zwei weiße Damen, anscheinend zivilisierte Nachfahren der ehemals wenig zimperlichen Buren. Die körperliche Arbeit hingegen wurde von, wie sage ich es korrekt, people of colour durchgeführt.

Nach Verlassen der Farm sind wir nach Mossel Bay aufgebrochen, dem nächsten Zwischenziel unserer Fahrt. Der Ort gilt als Eingangstor zur Garden Route und ist selber angenehm unspektakulär, als touristische Attraktion wird ein sog. post office tree verkauft, unter dem seit 1501 über mehrere mind. Jahrzehnte von portugiesischen Seefahrern Briefe hinterlegt wurden. Unsere Unterkunft ist direkt am Wasser, hier tummeln sich zahlreiche Wellenreiter, es gibt ein paar Restaurants und ein einige malerische Felsen, an denen sich die Wellen spektakulär brechen.

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Morgen geht es weiter in Richtung Knysna und die Erlebnisdichte wird zunehmen, ich werde berichten.

 

Die ersten beiden Tage in Südafrika

Endlich in Kapstadt gelandet ging dann alles ganz schnell, sowohl die Einreise wie auch die Gepäckorga, Katha stand mit einem heißen Kaffee bereit, wir haben das Auto geholt und sind über Stellenbosch, wo wir ein bischen herumbummelten,  nach Hermanus gefahren. Dort gab es nicht nur eine prima Unterkunft, sondern auch rudel- bzw. flottenweise Wale, die sich in der Bucht herumtummelten, am Ende saßen wir feist bei Wein und Bier und schauten auf die Tierchen, die fröhlich herumsprangen, wirklich Wahnsinn. Das gleiche Schauspiel nochmal zum Frühstück.

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Ansonsten ist Hermanus ein Ort, den ich mir gut als Fluchtstätte im Alter (also so im richtig alten Alter) vorstellen kann, sehr gediegen und ruhig, ausgestattet mit vielen Galerien, niveauvollen Restaurants und zahlreichen Unterkünften in jeder Preisklasse. Nur leider verdammt weit weg von good old Europe. Am nächsten Morgen dann Aufbruch, über Pearly Beach, Cape Agulhas, (wo sich atlantischer und pazifischer Ozean treffen)

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und das de Hoop Reservat nach Swellendam. Im Reservat war leider nur wenig Zeit, weil wir recht spät ankamen und es bis zum Sonnenuntergang auch wieder verlassen mussten, so haben wir nur die erstaunlich weißen Dünen bewundern können und sind nicht bis zum Strand gekommen. Allerdings haben wir Zebras und verschiedene Antilopenarten aus nächster Nähe gesehen.948D76FC-6707-4E18-8591-9E648647E0C3

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Insgesamt waren wir später als geplant unterwegs und fanden uns im Verlauf des Sonnuntergangs auf einer unbefestigten, sehr einsamen Straße wieder, während wir gleichzeitig feststellten, dass die Adresse unserer nächsten Unterkunft dem Navi komplett unbekannt war, auch das Handy, für teuer Geld mit Internet versorgt, wurde nach vielen Versuchen nur per Umweg über die Buchungs-App fündig. Nach der langen Suche in der Dunkelheit waren wir am Ende so hysterisch, dass wir uns aus dem sehr schönen Zimmer gar nicht mehr herausgetraut haben, um vergessene Dinge aus dem Auto zu holen, die Gästefarm war zwar wirklich einsam, aber gut gesichert. Trotzdem war der freundlich dreinschauende Hund unserer Zimmernachbarn, der uns beim Blick aus der Tür schwanzwedelnd anschaute, ein Grund, ebenjene panisch wieder zuzuwerfen. Wir haben uns dann wieder beruhigt und einen netten Abend verbracht …

Danke, EasyJet; Weltreise um einen Tag verschoben!

Aus falscher Sparsamkeit hatte ich (über eine Kieler Internetagentur) meine ganzen Flüge ab Frankfurt gebucht, weil das deutlich günstiger ist, als in Berlin zu starten. Unabhängig davon habe ich einen Flug mit EasyJet nach Frankfurt gebucht, um von dort über Dubai nach Kapstadt zu fliegen, wo sowohl Katha wie auch ein reservierter Mietwagen mich erwartet haben  – hätte ich doch die Bahn genommen. Kurz vor der angegebenen Boardingzeit und nachdem das Gepäck nach langem Schlangestehen bereits aufgegeben war, teilte EasyJet mit, dass der Flug nach Frankfurt ausfällt. Weitere Infos waren nur  zu bekommen, wenn man sich in einer ca. 50 m langen Schlange vor dem mit genau einer Dame besetzten Servicesceschalter einreihte. Die Wartezeit hätte mehrere Stunden betragen. Alle anderen passenden Flüge nach Frankfurt, auch die der Lufthansa, waren ausgebucht (die meisten fielen dann ebenfalls aus, hätten also auch nicht wirklich geholfen). Um den bereits aufgegebenen Koffer zurück zu bekommen, mussten sich alle Betroffenen in einer alten Baracke ca. 2 Stunden anstellen, wo eine einzige, sehr engagierte und kompetente Mitarbeiterin sich um das Gepäck für die Besatzung von ca. 5 ausgefallenen Flügen kümmern musste, ganz zu schweigen von feierwütigen Touristen, die damit überfordert waren, ihr eigenes Gepäck zu verwalten. Zum Glück kam Micha und stand mir bei. Am nächsten Tag startete ich einen zweiten Versuch, mit mehr Erfolg, Glücklicherweise war der Service von Emirates beim Umbuchen des Flugs von Frankfurt nach Kapstadt hervorragend, wenn auch teuer. Die Weltreise wurde also um einen Tag verschoben … komisch, nach so intensiven Abschieden sich dann doch wieder auf dem eigenen Sofa bzw. im eigenen Bett wiederzufinden! Aber zum Glück nur bis um 4 Uhr am nächsten Morgen, den nächsten Flug hatte ich so gewählt, dass bei einem Ausfall noch die alte Tante Deutsche Bahn hätte einspringen können. Weiterlesen

Warum ein Blog?

Dies ist eine Art Tagebuch für mich selbst, Freunde und Verwandte und soll mich dazu disziplinieren, regelmäßig zu schreiben, damit die vielen Eindrücke meiner geplanten Fast-Weltreise nicht zu einem großen verschwommenen Bilder- und Gefühlsbrei verschwimmen,  in dem einzelne konkrete Erinnerungen nicht mehr fassbar sind. Die Motivation ist also total egoistisch, aber vielleicht haben ja noch andere Spaß daran.