Lalibela und die Kirchen, 25. Tag

Der Tag hat tatsächlich für die lange Fahrt entschädigt, wir haben einerseits die Felsenkirchen angeschaut, die zu Tarnungszwecken unterirdisch (sie schließen mit dem Erdboden ab, wie auf den Bildern hoffentlich erkennbar ist) in den Felsen gebaut wurden. Sie bestehen aus einem Stück, aus Felsgestein, d.h., es wurde nicht gebaut sondern gemeißelt. Lalibela hatte seine Blütezeit, als die von Axum sich dem Ende näherte, die Kirchen stammen alle aus dem 12. Jhd. Der damalige Herrscher wollte symbolisch Jerusalem nachbauen, um so die gefährliche Pilgerfahrt dorthin überflüssig zu machen. Zum Beispiel wurden deswegen die Kirchen auf beiden Seiten des Jordan-Flusses gebaut.

Hier soll die Sintflut symbolisch dargestellt werden.

Das Highlight, dieses und das folgende Bild sind sehr bekannt.

Mit dem Tod wird hier einigermaßen unbefangen umgegangen, diese ca. 300 Jahre alten Mumien liegen nicht etwa hinter Glas, sondern offen herum, jeder kann sie antatschen, das ist aber nicht wirklich verlockend.

Auf dem nächsten Bild sieht die / der geneigte Lesende die ausgesprochen blutige Haut eines frisch geschlachteten Tieres, wohl ein Rind, daneben spielen in aller Ruhe Kinder.

Vormittags und nachmittags gab es jeweils ein wirklich intensives theologisch-historisches Kirchenprogramm, zwischendurch hatten wir zum Glück eine Pause. In ebenjener wurden wir von einem sehr netten 10jährigen Mädel namens Africa angesprochen und innerhalb von kürzester Zeit gesellten sich zahlreiche andere Kinder zu unserer kleinen Gruppe, hier einige von ihnen.

Sie sprachen alle richtig gut Englisch, obwohl sie zum Teil auch noch kleiner waren als Africa. Es gab zahlreiche Einladungen zum Kaffee, Tom nahm schließlich die von Africa zu ihrer Mutter an, als er zusagte, traute ich mich auch, mitzugehen.

Das kleine Haus der Familie lag in diesem Hof:

Wir wurden in den Wohnraum eingeladen, es gab hier weder Strom noch Wasser, gekocht wurde an einer Feuerstelle im Zimmer, der Raum quoll über von Kindern, eine Nachbarin kam ebenfalls mit ihrem Nachwuchs.

Tom mit Africa und ihrem Zwillingsbruder.

Die Dame des Hauses mit drei ihrer vier Kinder

Alle waren nett, interessiert und freundlich, wollten am Ende Geld für den Kaffee, aber ich denke, das war ok. Die Mutter, die auch den Kaffee auf traditionelle Art zubereitet hat, lebt dort meist allein mit vier Kindern, der Vater arbeitet irgendwo auf dem Land und kommt selten. Anscheinend ist das eine Art, sich ein bisschen Geld dazu zu verdienen. Und für uns war das ein spannender Einblick in das wirklich karge Leben der normalen Menschen. Hoffentlich erfüllen sich die Träume der Kinder, die alle Ingenieur oder Physiker werden wollen, damit sie irgendwann die Chance auf bessere Lebensverhältnisse haben!

Dass ein etwas leichteres Leben durchaus möglich ist, haben wir abends bei einer organisierten Kochaktion in einer anderen Familie gesehen. Hier gab es Wasser aus einem Hahn im Garten und auch Elektrizität, dieser Luxus ist allerdings auf die Stadtbevölkerung beschränkt, die Menschen auf dem Land leben so wie die Familie, die wir am Nachmittag besucht haben. Dieser Programmpunkt war erstaunlich entspannt, wer meine Leidenschaft für´s Kochen kennt, kann sich vorstellen, dass es mir ein wenig bevorstand. Wir mussten allerdings dem Guide, der auch dabei war, etwas mühsam klarmachen, dass die beiden Herren Tom und Italo genauso tätig werden wollten (und sollten!!!) wie ich, das ist hier keine Selbstverständlichkeit.

Um das Feuer in Gang zu bringen, wurde erstmal ein bisschen Plastik angezündet, scheint ein übliches Vorgehen zu sein!

Gekocht wurde mit einfachsten Mitteln und ganz traditionell, da ich äthiopisches Essen schon immer gerne mochte, schmeckte es mir hervorragend.

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