Von Gondar in das Simiengebirge, Tag 18 und 19ä

Vor dem Start zur nächsten Station machten der Fahrer Alex, Muhammed, der Guide und ich noch einen Ausflug zum Flughafen und holten endlich meinen Koffer ab. Ich konnte also mitfahren ins Gebirge und war sehr erleichtert!

Dann ging es los, u.a. durch einige Dörfer, von Alex im berserkerhaften Tempo durchquert, er fuhr dabei auch eine Frau an bzw. streifte sie an der schweren Last, die sie trug und sie fiel um, setzte sich aber gleich wieder hin. Das Auto ist voll von Äthiopiern, alle schienen es normal zu finden, einfach weiterzufahren, und uns drei Europäern fehlte es an Zivilcourage, wir schämen uns und geloben gegenseitig Besserung.

Im Gebirge wurden wir aus dem Auto gedropt und sind etwas mehr als 10 km bis zu unserem Camp gelaufen, für mich in mehrfacher Hinsicht eine Herausforderung. Ein Aspekt war die Höhenlage, wir befanden uns auf 3300 m über dem Meeresspiegel, da wird die Luft dünn und die zahlreichen Steigungen wirklich anstrengend. Aber es war toll, landschaftlich einerseits

und tierisch andererseits: wir trafen auf eine riesige Herde Gelatas, das sind keine Eiswagen, sondern eine sehr charmante Pavianart, die nur Gras frisst, aber das in Mengen. Menschen gegenüber sind sie komplett furchtlos und lassen sie nah an sich heran.

Tom, einer der beiden Mitreisenden, inmitten der Herde

Es gibt aber auch Grenzen, diesem männlichen Exemplar bin ich wohl mit der Kamera zu nahe gekommen, die Reaktion ist fotografisch spannend, in live aber beängstigend.

Die Landschaft alleine ist schon ein Grund, nach Äthiopien zu reisen, besonders spannend finde ich persönlich aber die Menschen und ihre Lebenssituation in den von mir bereisten Ländern. Anhand der Fotos von den Dörfern und Städten wird vielleicht schon deutlich, wie einfach das Leben in fast jeder Hinsicht hier ist. Wir hatten aber, im Rahmen unserer Möglichkeiten, auch mit Äthiopiern direkt zu tun, zum Beispiel deswegen, weil im Zeltcamp jede Menge Arbeitskräfte für das Wohl von uns drei Touris zuständig waren:

Kitibu, unser Guide

Solomon, der Koch

Kindu, der Assistent des Koches (beide leisten schier Unglaubliches),

Sisay, unser bewaffneter Wächter Sisay und

Alex, der Driver (in grün)

Alle haben nicht nur ihre eigene Aufgabe, sondern kümmern sich wirklich um alles, tragen unser Gepäck, bauen Zelte auf und ab, organisieren Schlafsäcke und erfüllen uns jeden Wunsch.

Weshalb ich das alles beschreibe: Die Menschen, die hier im Tourismusbereich arbeiten, haben ein wirklich hartes Leben, viele von ihnen schlafen draußen oder auf dem harten Boden der Küchenhütte und sie arbeiten pausenlos. Dabei bleiben sie immer freundlich, hilfsbereit und wollen uns alles so komfortabel wie möglich gestalten. Die, die Arbeit haben, sind die Gewinner, noch härter ist das Los derer, die zu den Touristenstandorten kommen, dort ihre Dienste anbieten und häufig unverrichter Dinge wieder abziehen.

Wir als Europäer haben uns wirklich geschämt, uns über Kälte und Feuchtigkeit zu beschweren. Trotzdem: Die Nacht im Zelt gehört zu den bisherigen Tiefpunkten der Reise, es donnerte, blitzte, regnete und wurde im Zelt zunehmend feucht. Kalt war es auch. Am nächsten Morgen fand ich in den Tiefen des zur Verfügung gestellten Schlafsacks eine männliche Boxershorts – zum Glück hatte ich vollständig bekleidet darin geschlafen. Die Toilettensituation war katastrophal, ich bin nicht pingelig und war auch schon auf sehr vielen Klos unterschiedlichsten Standards, aber dieses ging gar nicht. Das Ergebnis waren Ausflüge in den Busch, nachts auch nicht unbedingt angenehm.

Am nächsten Morgen haben wir nochmal eine tolle Wanderung gemacht, bei der wir unter anderem auf diese Gruppe trafen.

Außerdem bin ich über diese wirklich beängstigend hohe Felsenbrücke gegangen, na gut, eher gekrabbelt:

Die Affen waren zu dem Zeitpunkt natürlich nicht an dieser Stelle.

Das Mittagessen war, wie alle Mahlzeiten im Camp, spitze. Hier Italo an unserer festlich gedeckten Tafel.

Dann fing es an, in Strömen zu regnen. Die Feuchtigkeit in den Zelten verwandelte sich in Nässe, die wirklich alles durchdrang, so dass, zumindest für uns europäische Weicheier, nicht daran zu denken war, noch eine Nacht im Camp zu verbringen. Kurzfristig haben wir uns ein Hotel organisiert und eine warme Dusche und ein weiches Bett genossen. Unsere zahlreichen Mitreisenden (s.o.) hätten es nie zugegeben, haben sich aber leise doch gefreut, früher als geplant wieder nach Hause zu kommen.

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