Tag 7 und 8: Windhoek und Fahrt nach Swakopmund

Am 30.09. haben Katha und ich uns nach den komplizierten Reiseverläufen, bei denen erstaunlicherweise alles fast bis auf die Minute geklappt hat, in Windhoek am Airport wiedergetroffen. Bei Namibia fällt ja jedem Bildungsbürger (und jede Bildungsbürgerin selbstverständlich auch) als erstes ein, dass es mal deutsche Kolonie war und dass insb. in Windhoek noch sehr viele Erinnerungen an diese Zeit bestehen. Das stimmt auch, trotzdem haben wir schon bei der Abholung des Mietwagens gemerkt, und dieser Eindruck sollte sich im Laufe der ersten Tage bestätigen, dass wir nun wirklich in Afrika sind. Ohne jetzt mich und die Leserschaft mit langen Schilderungen langweilen zu wollen: Nachdem wir längere Zeit gewartet haben, habe ich den hilflosen Jungen, der uns das nicht vorhandene Auto übergeben sollte, mit schärfer werdender Stimme auf die zunehmende Dunkelheit hingewiesen, woraufhin der Chef geholt wurde. Dieser stellte fest, dass die Fertigstellung unseres Autos (nein, es wurde nicht neu gebaut, vielmehr war wohl eine Generalüberholung nötig) noch lange dauern würde. Uns wurde dann das erstbeste Auto auf dem Hof in die Hand gedrückt, mit der Versicherung, dass spätestens in Swakopmund dieses Gefährt gegen das von uns bestellte (und bezahlte) 4-Wheel-Drive  ausgetauscht werde. John, so heißt der Chef, gab uns seine sämtlichen Kontaktdaten und wir warten nun … so etwas wäre in Kapstadt ebenso undenkbar gewesen wie in Deutschland. Fast noch schlimmer war, dass er lachend fragte, warum die älteren Deutschen die Ziffer 1 immer so komisch schrieben … mit älterer Deutscher meinte er … wen wohl?! John hat damit viel von seinem Charme spontan verloren!

Schon auf dem Weg in unsere Unterbringung fiel auf, dass die Einmauerung der Häuser in Windhoek noch ausgeprägter ist als in Kapstand, sollte Trump noch einen geeigneten Architekten für sein Mauerprojekt suchen, träfe er hier auf viel Erfahrung. Ein bisschen hatten wir das Gefühl, an einem riesigen Knast entlangzufahren. Auf den Fotos von unserem ansonsten wirklich schönen B & B ist das auch erkennbar.

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Abends waren wir noch in „Joe ´s Bierhaus“, eine Adresse, die zum Pflichtprogramm vor allem deutscher Touris gehört, aber anscheinend auch die einzige Möglichkeit darstellt, abends etwas zu essen und zu trinken zu bekommen. Eigentlich ein netter Biergarten, aber manchmal wäre weniger mehr, auch im Hinblick auf die deutschen Attribute. Die Gänge zwischen den Tischen haben Straßennamen, die zur Zeit der deutschen Besatzung von Deutsch-Südwest passen, allen voran „Kaiser-Wilhelm-Str.“, „Rudi-Dutschke-Str.“ wäre mal eine hübsche Provokation der Urlauber.

Was Straßen- und Ortsnamen, aber auch die Bezeichnungen von Betrieben unterschiedlicher Art, angeht, hat die deutsche Besatzungszeit wirklich viele Spuren hinterlassen, das mag damit zu tun haben, dass in dieser Zeit Teile der Infrastruktur erst angelegt wurden. Viel länger als unter deutscher (1884-1918) stand Namibia aber unter südafrikanischer Herrschaft (1920-1990), d.h., auch hier gab es Apartheid und sowohl englische als auch und vor allem burische Einflüsse. Und immer noch scheint es enge Verbindungen zwischen diesen Ländern zu geben, so kann hier auch mit dem süafrikanischen Rand gezahlt werden.

Am nächsten Morgen, 1.10., haben wir uns dann mit unserem (hoffentlich) provisorischen Mietauto auf den Weg nach Swakopmund gemacht, vorbei an weiteren „informel settlements“, durch wirklich afrikanisch wirkende Orte und eine beeindruckende Wüstenlandschaft.

Am Ziel fanden wir, wen überrascht es, einen echten Urlaubsort vor, in dem es ebenfalls viele Hinweise auf vergangene deutsche Pracht gibt. Die beiden Häuser auf den Fotos könnten doch auch an der Ostsee stehen:

Beeindruckend ist aber auch die Nähe von Meer und Wüste.

Die Bilder sind von der Dachterrasse unseres Hotels aus aufgenommen.

Auch in Swakopmund scheint, trotz des Badeortcharms, genügend Kriminalität zu geben, um den Bau von wehrhaften Mauern um die Grundstücke zu motivieren. Eine ästhetische Gestaltung ist den Architekten des Altstadtrestaurants (heißt wirklich so) gelungen, hier wurden Holzelemente in den Schutzwall eingebaut.

Andere Hausbesitzer hatten da weniger Skrupel.

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