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Tag 14: Eindrücke von „unserem“ Dorf und die letzten Tiere von der Liste

Nach einem mehr oder weniger faulen Vormittag g (ich war fleißig bei der Literatur- und Informationsbeschaffung über meine nächsten Reiseziele, Äthiopien und Argentinien)

Hier ein Foto des Pools inkl. Festungsmauer, wo ich meinen Fleiß ausgelebt habe

mussten wir noch unsere Wasservorräte im ortseigenen Supermarkt auffüllen. Katharina ging in den Laden und ich hatte endlich einen Moment Zeit, ohne moralische und juristische Skrupelbehelligung ein paar Fotos zu machen. So ganz einfach war es nicht, als einzige Weiße (außerhalb des Supermarktes, da war ja Katha drin) mit der Kamera war ich sehr auffällig und hätte eigentlich mehr Zeit gebraucht, um Menschen auch um Fotoerlaubnis zu bitten. Aber das wäre ja wieder für die einzige andere Weiße im Ort und außerhalb unserer festungsartigen Unterkunft superpeinlich gewesen. Hier also das Ergebnis meiner Bemühungen, zum Teil auch aus dem Auto heraus:

Aus dem Park nur noch ein paar wirklich besondere Eindrücke,

hier meine ganz persönlichen Lieblinge, Warzenschweine.

Und dies ist ein besonders seltener Anblick, ein Leopard.

Nashörner sieht man auch fast nie, dieses lag direkt am Weg herum. Wir waren in der Mittagshitze unterwegs, ohne Klimaanlage empfiehlt es sich, gar nix zu tun.

Die folgenden Bilder sind direkt aus der Etosha-Pfanne, von einer Stelle aus, die direkt in dem ausgetrockneten See liegt, der der ganzen Umgebung seinen Namen gegeben hat.

Tag 13: Wieder Etosha Nationalpark, weil es so schön war …

Zunächst einige Bilder und Eindrücke aus dem Park, in dem wir (auf der Fahrerseite ich, weil Katha mit den abenteuerlichen Wegen Probleme hat) sechs Stunden herumgefahren sind.

Nochmal ein Bild wie aus dem Bilderbuch an der Wasserstelle.

Es ist heiß, bis über 40 Grad!

Herzig, oder?

Giraffen haben es auch nicht leicht!

Reine Angabe, den Ovambo ist es durchaus gelungen, das Fort komplett zu zerstören.

Unsere Unterkunft ist nicht im Park, sondern nördlich außerhalb der riesigen Anlage, weniger aus Bescheidenheit, vielmehr war bei unserer Buchung im Park schon alles ausgebucht. Eigentlich finde ich es aber prima, in einem ganz normalen Dorf, Omuthiya, zu wohnen. Die Unterkunft ist, wie immer, martialisch gesichert, aber zumindest Einkaufen, Tanken und Geld abheben geschieht mitten im ganz normalen afrikanischen Alltag. Auf dem Weg in „unsere“ Stadt, die insb. jetzt am Wochenende voller Leben ist, sehen wir auch einiges. Zum Beispiel sehr viele Wellblechhütten-Siedlungen, die einfach auf den Acker gebaut sind, ich kann mir nicht vorstellen, dass es dort eine gesicherte Strom- und Wasserversorgung gibt.

Beispiel für eine Wellblechhütte irgendwo am Straßenrand

Der Barbershop in dem Dorf, in dem wir wohnen.

Wir sind hier im Norden im Ovamboland, die Ovambos sind die bevölkerungsreichste Gruppe in Namibia, diesem Stamm gehören 50% der Einwohner an. Obwohl das Land fruchtbar ist und die Region infrastrukturell gefördert wird (um einen Puffer zwischen den weißen Bevölkerungsgruppen und der angolanischen Grenze aufzubauen, wird vermutet), können nicht alle Einwohner mit Nahrung und Arbeit versorgt werden, entsprechend groß ist die Armut und die Abwanderungsquote in andere Gebiete.

Ein Höhepunkt der Reise: Der Etosha-Nationalpark, Tag 12

Heute sind wir von unserer Unterkunft in Kamanjab eigentlich erstmal nur durch den Etosha-Park gefahren, um schnell zur nächsten Station unserer Reise zu gelangen. Dort (also im Park) war es aber so toll, dass wir wieder viel zu spät in Richtung Unterkunft aufgebrochen sind und uns durch die afrikanische Dunkelheit schlagen mussten.

Der Park ist unglaublich und an den Wasserlöchern sieht es aus wie in einem Kinder-Bilderbuch über Afrika, es sind alle Tiere in Mengen dort zu finden.

Das friedliche Bild änderte sich allerdings, als eine Löwin die Szene betrat:

Die ersten Unruhe legte sich aber erstaunlich schnell wieder, zumal die Löwendame recht unentschlossen zwischen all ihrem potentiellen Futter herumspazierte. Eine tolle Szene, die wir beobachten durften.

Ansonsten haben wir Herden von Elefanten, Giraffen, Wasserbüffeln, unzählige Steinböcke, noch einen männlichen Löwen und vieles andere gesehen, Bilder folgen, versprochen!

Tag 11: Platter Reifen und viel Landschaft …

Eigentlich war uns klar, dass der Weg von Swakopmund nach Kamanjab auf den namibischen Straßen eine echte Herausforderung ist. In Europa ist es kein Problem, 600 KM als Tagesstrecke zu planen, hier schon – hätten wir mal auf die Reiseführer gehört.

Zunächst stellten wir erstaunt fest, dass SUVs gar nicht in erster Linie für die Auslieferung des Mittelschichtsnachwuchses an Kita und Schule gebaut sind; das lässt sich in Deutschland durchaus auch mit einem handelsüblichen Kleinwagen erledigen. Auf namibischen Straßen würde dieser aber elendig verrecken, selbst unser Duster mit Four-Wheel Drive hat es nicht durchgehalten. Aber von Anfang an:

Statt, wie es in Anbetracht der Strecke angebracht gewesen wäre, auf den größeren, teilweise etwas abenteuerlichen Verbindungswegen zu bleiben, mussten wir eine kleine, noch weniger befestigte Straße auswählen, um ein paar Sehenswürdigkeiten mitzunehmen. Dazu kam es allerdings nicht mehr, weil wir nach dem dritten Hinweis entgegenkommender Autos verstanden haben, dass einer unserer Reifen den Belastungen nicht gewachsen war – es hatte sich auch alles noch schlimmer angefühlt als vorher. Hier das Ergebnis:

Danke Rita, dass du uns darauf hingewiesen hast, unbedingt das Vorhandensein eines Reservereifens und des entsprechenden Werkzeugs zu kontrollieren!!!

Wir hatten allerdings erschwerte Bedingungen: Beide noch nie einen Reifen gewechselt und der Kofferraum ließ sich auf einmal nicht mehr öffnen! Zum Glück waren auf der Strecke viele Touris unterwegs, das erste Auto hielt und der männliche Teil des darin sitzenden deutschen Ehepaares half uns. Es war wirklich eine Herausforderung, über die Rückbank den Kofferraum zu entladen und Reifen rein- und rauszuwuchten. Diese Aktion und der fällige Werkstattbesuch zu Beschaffung eines vollwertigen Reifenersatzes verschlangen so viel Zeit, dass an die Sehenswürdigkeiten nicht mehr zu denken war, nur den versteinerten Wald haben wir noch im Schnelldurchlauf besucht.o

Diese vermeintlichen Baumreste sind versteinert (petrified) und ziemlich viele Millionen Jahre alt, wie viele genau, habe ich vergessen, aber das Wort „Millionen“ ist doch schon beeindruckend.

Nach 12 Stunden Fahrt durch eine tolle und wechselhafte Landschaft

sind wir völlig platt in der Unterkunft angekommen. Dort war es aber schön.

Nachtrag zu Tag 10

Da Katha immer sehr streng kontrolliert, welche Bilder von ihr der Öffentlichkeit gezeigt werden dürfen, ist sie in diesem Block leider nur selten zu sehen. Das folgende Bild ist aber so typisch für sie, sobald Kinder im Spiel sind, dass es hier einfach hingehört .. und das kleine Mädel ist doch auch sehr fotogen.

Kurz zum Kontext: Wir waren in einer Tagesstätte für Kinder, deren Eltern nicht genug Geld haben, sich eine der teureren, großen und sicher auch schöneren Kitas in der Township zu leisten. Entsprechend trist ist die Umgebung, ein Raum von ca. 20-25 qm ohne Fenster, in dem wirklich alles stattfindet, spielen, essen, schlafen und auch Vorschularbeit, der fünfjährige, fotoerfahrene Junge malt grade mehr oder weniger konzentriert den Buchstaben K aus … nein, liebe Kolleg*innen, hier keine Diskussion über den Sinn und Unsinn solcher Angebote!

Der 10. Tag: Townshiptour und Cape Cross

Es ist schon wieder passiert; ich habe etwas unternommen, was ich in der Theorie immer abgelehnt und als Ghetto-Glotzen oder Armuts-Tourismus bezeichnet habe, aber besondere Umstände bauen die Mauern der eigenen Borniertheit ab: Wir haben an einer Tour durch die (laut Duden online der korrekte Artikel) Township Mondesa teilgenommen. Meine persönliche Klischee-Vorstellung zu einer solchen Aktion war die, dass ein in Ehren ergrautes, gleitsichtbebrilltes, in Funktionskleidung und vernünftige Schuhe gewandetes Wesen, gerne pensionierte Studienrätin / pensionierter Studienrat einer Gruppe von Studiosus-Reisenden die Welt erklärt. Wahrscheinlich entspricht diese Vorstellung so gut wie nie der Realität, unser Guide zumindest, Nande Junias, lebt selbst in der Township, durch die er seine Gruppen führt. Die Einrichtungen und Projekte, die er vorstellt, bekommen einen Teil von Nandes Einnahmen für ihre Mitarbeit und darüber hinaus Spenden und sie verdienen ggf. noch Geld über die Verkäufe von selbst hergestellten Waren (in unserem Fall wurden zwei Armbänder und eine CD erworben). Im Vergleich mit der spaßbetonten Aktivität gestern, dem Quad-Riding, war die Township-Tour natürlich eher intellektuell ausgerichtet, aber mindestens genauso toll. Wir haben unheimlich viel über das Leben in Namibia, die Identitätsbildung der einheimischen Bevölkerung über das Gefühl der Zugehörigkeit zu ihrem Stamm, über die Ausgrenzung zur Zeit der Apartheid und das Leben in der Township heute erfahren. Dazu nur soviel: Es ist nicht die Armut, die die Menschen in der Township hält, sondern das Lebensgefühl und der familiäre Zusammenhalt, der in einem Staat ohne jegliche soziale Absicherung ungeheuer wichtig ist. Wer zu Geld kommt, hat durchaus die Möglichkeit, seine Lebensbedingungen auch innerhalb der Siedlung den neuen Verhältnissen anzupassen, sich ein entsprechendes Haus zu bauen etc. Es werden allerdings auch unterschiedliche Prioritäten gesetzt; in den folgenden Bildern wird das vielleicht deutlich:

Das grüne Bauwerk im Vordergrund stellt ein Haus dar, ohne Fenster, nur aus einem Raum bestehend, hier lebt jemand, evtl. sogar eine Familie. An die Hütte angebaut ist eine Garage, in der ein Auto steht, für das in Namibia sicher die Hälfte des Geldes, das für den Bau eines schöneren Haus nötig wäre, auf den Tisch gelegt werden muss. Prioritäten werden halt unterschiedlich gesetzt.

Das alles kann natürlich nicht darüber hinwegtäuschen, dass es auch echte Armut und damit zusammenhängend hohe Kriminalitätsraten in Namibia gibt. Die Arbeitslosigkeit in den Townships beträgt 40%!

Die beiden Jungen im Vordergrund waren total fasziniert von der Drohne, die die beiden Spanierinnen, die mit uns auf der Tour waren, dabei hatten (ich auch!!!). Am Ende hat die eine der beiden Damen ihnen die Funktion dieser Kamera gezeigt, und sie waren selig. Im Hintergrund sieht man eine Siedlung, in der Menschen darauf warten, ein Haus zu günstigen Kredit-Bedingungen zu erhalten, in dem sie dann leben können. In dieser Siedlung leben die beiden Jungen.

Ich poste wirklich NIE mein Essen irgendwo im Internet, das wäre in den allermeisten Fällen auch sehr eintönig, heute mache ich aber mal eine Ausnahme: Uns wurde eine typisch namibische Mahlzeit serviert, ein Bestandteil waren Raupen – aus diesen werden nie mehr Schmetterlinge! Hier Bilder dieser Tierchen im rohen und gekochten Zustand:

Ich wurde davon überzeugt, eine zu probieren und fühlte mich wie im Dschungelcamp … schmeckt wie es aussieht!

Es gibt noch stapelweise Bilder von diesem Ausflug, auf Nachfrage stelle ich sie gerne ein, es war wirklich ein Erlebnis und eine echte Bereicherung! Hier einige weitere Fotos:

Für die linguistisch Interessierten unter uns; ich habe nicht wirklich zugehört, es gab so viel Spannenderes als die unterschiedlichen Klicklaute …

Die Außenwand einer Hütte ein einem Projekt zur Förderung von Frauen, es gab keine Baugenehmigung, und dies ist ja keine Mauer, sondern nur eine Flaschensammlung.

Eine unbekannte Dame, aus dem Auto heraus fotografiert.

Am Nachmittag gab es ein Kontrastprogramm, wir sind mit dem SUV nach Cape Cross gefahren und haben eine gigantische Seehundkolonie besichtigt, sehr lärm- und geruchsintensiv, eigentlich war mehr der Weg das Ziel, durch die Wüste zu fahren und gleichzeitig den Atlantik zu sehen ist ein echtes Erlebnis. Aber die Seehunde waren auch süß.

Der Kopf dieses Seehundes steckt nur in den Streben des Stegs, der für die Besuchenden der Kolonie gebaut wurde, das Tier hat alle Freiheit der Welt und hängt auch nicht fest.

Schlafen können sie echt gut!

Quad-Riding in der Wüste, Tag 9

Heute haben wir etwas getan, was ich als protestantische Spaßbremse bis vor Kurzem als dekadent und gradezu frivol bezeichnet hätte, weil mein Über-Ich der Meinung war, alles Schöne im Leben müsse hart erarbeitet sein: Wir sind zu viert (inkl. Guide) mit jeweils einem Quad in die Wüstenausläufer bei Swakopmund gefahren, zwei Stunden lang und es war geil! Wenn auch nicht ganz so einfach wie es aussieht, Katha hat sich schlapp darüber gelacht, dass ich bergauf einmal stecken geblieben bin. Es gelang mir nicht, den Guide davon zu überzeugen, dass es an der Maschine lag, da es ihm ohne weiteres gelang, das Teil den Berg hinauf zu fahren …

Obwohl Elektrofahrzeuge sicher zeitgemäßer wären, ist es nebenbei eine tolle Art, in die Wüste hinein zu kommen und so viele Alternativen gibt es auch nicht. Ein Fahrrad ist jedenfalls keine, Jeeps wären auch nicht passend und die armen Kamele sind nicht mal wirklich im Süden von Afrika beheimatet, sondern aus der Sahara importiert.

Landschaftlich war es faszinierend, so nah am Atlantik durch eine riesige Dünen- bzw. Wüstenlandschaft zu fahren, ein Grund für mich, Namibia bereisen zu wollen.

Nachmittags waren wir noch in Walvisbay, ein kleiner Urlaubsort ca. 30 km von Swakopmund entfernt. Die Straße dorthin verläuft direkt am Atlantik entlang, auf der anderen Seite sind die Wüstenausläufer, das ist einzigartig. Der Ort an sich ist furchtbar, völlig zersiedelt, mit gigantischen Siedlungen mitten in der Wüste und schrecklichen Mauern um alle Grundstücke herum, aber unsere Sicht der Dinge ist europäisch geprägt … wir haben doch noch eine sehr nette, wenn auch winzige Waterfront gefunden und dort war es schön.

Am Abend ist, nach mehreren, zunehmend schärfer werdenden Telefonaten und mit zwei Tagen und 90-minütiger Verspätung dann auch unser eigentlich reserviertes Mietauto eingetroffen, der arme Fahrer brachte es tatsächlich aus Windhoek zu unserem Hotel in Swakopmund und erzählte wilde Geschichten, die die Verspätung begründen sollten. Katha und ich entschieden am Ende, dass unsere Mietwagen-Probleme bzw. das Jammern darüber auf verdammt hohen Niveau stattfinden, haben uns beruhigt und waren noch lustig in einem Bistro Abendessen. Dort waren außer uns nur sog. Namibia-Deutsche, die sich in ihrer Muttersprache allerdings nicht besonders sicher fühlten, so konnten wir einige Formulierungshilfen für die Beschriftung von Plakaten für das geplante Oktoberfest beisteuern. Hier in Swakopmund, wie sicher auch in anderen Landesteilen, stellen die Nachfahren der Deutschen aus der Kolonialzeit einen nennenswerten Bevölkerungsanteil dar und kontrollieren anscheinend einen nicht geringen Teil der touristischen Infrastruktur. Sie sprechen sowohl Deutsch als auch Afrikaans und Englisch und sind Teil des namibischen Vielvölkerstaates, allerdings durch die Besatzungszeit und insb. die Zeit der Apartheid sicher deutlich gegenüber vielen anderen Bevölkerungsgruppen privilegiert. Prototypisch dürfte die Situation in unserer (sehr schönen) Unterkunft sein, hier sind alle Managerposten von Deutschen besetzt, die Zimmermädchen, Securityleute etc. hingegen entstammen indigenen Bevölkerungsgruppen. Die Gäste kommen zum großen Teil auch aus Deutschland. Es fühlt sich eigenartig an, so weit entfernt von zu Hause in einer Enklave des Deutschtums zu sein.

Tag 7 und 8: Windhoek und Fahrt nach Swakopmund

Am 30.09. haben Katha und ich uns nach den komplizierten Reiseverläufen, bei denen erstaunlicherweise alles fast bis auf die Minute geklappt hat, in Windhoek am Airport wiedergetroffen. Bei Namibia fällt ja jedem Bildungsbürger (und jede Bildungsbürgerin selbstverständlich auch) als erstes ein, dass es mal deutsche Kolonie war und dass insb. in Windhoek noch sehr viele Erinnerungen an diese Zeit bestehen. Das stimmt auch, trotzdem haben wir schon bei der Abholung des Mietwagens gemerkt, und dieser Eindruck sollte sich im Laufe der ersten Tage bestätigen, dass wir nun wirklich in Afrika sind. Ohne jetzt mich und die Leserschaft mit langen Schilderungen langweilen zu wollen: Nachdem wir längere Zeit gewartet haben, habe ich den hilflosen Jungen, der uns das nicht vorhandene Auto übergeben sollte, mit schärfer werdender Stimme auf die zunehmende Dunkelheit hingewiesen, woraufhin der Chef geholt wurde. Dieser stellte fest, dass die Fertigstellung unseres Autos (nein, es wurde nicht neu gebaut, vielmehr war wohl eine Generalüberholung nötig) noch lange dauern würde. Uns wurde dann das erstbeste Auto auf dem Hof in die Hand gedrückt, mit der Versicherung, dass spätestens in Swakopmund dieses Gefährt gegen das von uns bestellte (und bezahlte) 4-Wheel-Drive  ausgetauscht werde. John, so heißt der Chef, gab uns seine sämtlichen Kontaktdaten und wir warten nun … so etwas wäre in Kapstadt ebenso undenkbar gewesen wie in Deutschland. Fast noch schlimmer war, dass er lachend fragte, warum die älteren Deutschen die Ziffer 1 immer so komisch schrieben … mit älterer Deutscher meinte er … wen wohl?! John hat damit viel von seinem Charme spontan verloren!

Schon auf dem Weg in unsere Unterbringung fiel auf, dass die Einmauerung der Häuser in Windhoek noch ausgeprägter ist als in Kapstand, sollte Trump noch einen geeigneten Architekten für sein Mauerprojekt suchen, träfe er hier auf viel Erfahrung. Ein bisschen hatten wir das Gefühl, an einem riesigen Knast entlangzufahren. Auf den Fotos von unserem ansonsten wirklich schönen B & B ist das auch erkennbar.

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Abends waren wir noch in „Joe ´s Bierhaus“, eine Adresse, die zum Pflichtprogramm vor allem deutscher Touris gehört, aber anscheinend auch die einzige Möglichkeit darstellt, abends etwas zu essen und zu trinken zu bekommen. Eigentlich ein netter Biergarten, aber manchmal wäre weniger mehr, auch im Hinblick auf die deutschen Attribute. Die Gänge zwischen den Tischen haben Straßennamen, die zur Zeit der deutschen Besatzung von Deutsch-Südwest passen, allen voran „Kaiser-Wilhelm-Str.“, „Rudi-Dutschke-Str.“ wäre mal eine hübsche Provokation der Urlauber.

Was Straßen- und Ortsnamen, aber auch die Bezeichnungen von Betrieben unterschiedlicher Art, angeht, hat die deutsche Besatzungszeit wirklich viele Spuren hinterlassen, das mag damit zu tun haben, dass in dieser Zeit Teile der Infrastruktur erst angelegt wurden. Viel länger als unter deutscher (1884-1918) stand Namibia aber unter südafrikanischer Herrschaft (1920-1990), d.h., auch hier gab es Apartheid und sowohl englische als auch und vor allem burische Einflüsse. Und immer noch scheint es enge Verbindungen zwischen diesen Ländern zu geben, so kann hier auch mit dem süafrikanischen Rand gezahlt werden.

Am nächsten Morgen, 1.10., haben wir uns dann mit unserem (hoffentlich) provisorischen Mietauto auf den Weg nach Swakopmund gemacht, vorbei an weiteren „informel settlements“, durch wirklich afrikanisch wirkende Orte und eine beeindruckende Wüstenlandschaft.

Am Ziel fanden wir, wen überrascht es, einen echten Urlaubsort vor, in dem es ebenfalls viele Hinweise auf vergangene deutsche Pracht gibt. Die beiden Häuser auf den Fotos könnten doch auch an der Ostsee stehen:

Beeindruckend ist aber auch die Nähe von Meer und Wüste.

Die Bilder sind von der Dachterrasse unseres Hotels aus aufgenommen.

Auch in Swakopmund scheint, trotz des Badeortcharms, genügend Kriminalität zu geben, um den Bau von wehrhaften Mauern um die Grundstücke zu motivieren. Eine ästhetische Gestaltung ist den Architekten des Altstadtrestaurants (heißt wirklich so) gelungen, hier wurden Holzelemente in den Schutzwall eingebaut.

Andere Hausbesitzer hatten da weniger Skrupel.

5. und 6. Tag, Tsitsikamma und Port Elizabeth

Am 28.09. stand wenig auf dem Programm, wir haben unser Upgrade im wirklich netten Hotel in Knysna genossen und uns nach dem ungewohnt feudalen Frühstück aufgerafft, in den Tsitsikamma Nationalpark zu fahren und dort einen der kleineren Walks in Angriff zu nehmen.

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Dieser Spaziergang führte zu einer schwankenden Holzbrücke namens „Suspension Bridge“ (so heißen die alle in der englischsprachigen Welt) und hier geschah das Unglaubliche: Katha traute sich nicht, aber ihre ansonsten gräßlich höhenängstliche Mutter, die Brut macht sich regelmäßig darüber lustig,  nahm die Herausforderung an; was so ein Sabbatical nicht alles bewirkt.  Familiär gesehen verkehrte Welt! Hier ein Beweis- und ein Triumphfoto dieses denkwürdigen Ereignisses!

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Auf dem Rückweg haben wir einen Stop in Plettenberg am Strand eingelegt, lecker wir im Warmen gefuttert und die Surfer und Wellenreiter beobachtet.

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Abends haben wir dann noch die Waterfront in Knysna genossen, der netteste Ort an der Garden Route.

Auf unseren Autofahrten haben wir viele Townships in unterschiedlichen Größen gesehen, die daran erinnern, dass Südafrika zwar fantastische Landschaften, eine tolle touristische Infrastruktur mit wirklich gastfreundlichen Menschen (und wir waren auch in einfachen Unterkünften und nicht bonzig unterwegs), sondern nach wie vor massive soziale Probleme hat. Auch 25 Jahre nach dem Ende der Apartheid gehört den Nachfahren der Engländer und der Buren (den „Weißen“), die nur knapp 10% der Bevölkerung stellen,  drei Viertel des Bodens. Die Bemühungen des ANC, die Lebenssituation der Menschen in den Townships (zum allergrößten Teil People of Colour, hoffentlich genügt dieser Ausdruck auch den Berliner Maßstäben an PC) zu verbessern, fruchten nur sehr langsam, was auch mit den zum Teil absurd korrupten bisherigen Regierungen zu tun hat. Das Leben in den Townships ist aber nicht automatisch von Elend und Armut geprägt, hier gibt es große Unterschiede. Nicht nur die wirklich Armen, sondern auch die aufstrebende untere Mittelschicht lebt in diesen Siedlungen und zunehmender Wohlstand zeigt sich in Größe und Gestaltung von Häusern und Gärten. Andererseits ziehen viele sehr arme Menschen aus den ehemaligen Homelands und auch aus den Nachbarländern, z. B. Simbabwe, in die Townships am Rand der großen Städte und bauen sich dort einfachste Hütten (informell settling), in der Hoffnung auf ein besseres Leben. Obwohl ich schon einige Townships gesehen und mich über ihre Größe gewundert habe, war mir nicht klar, dass sehr viele von ihnen die Einwohnerzahl großer und sehr großer Städte erreichen und eine Infrastruktur aus Läden, Restaurants, Dienstleistungsanbietern etc. aufgebaut haben. In Soweto bei Johannesburg, der bekanntesten Siedlung dieser Art, leben über 1 Mio. Menschen.

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Diese Fotos hat Katharina aus dem fahrenden Auto gemacht! Und nicht nur diese, einige andere Bilder in diesem Blog sind ebenfalls von ihr, überraschenderweise z.B. die, auf denen die Verfasserin zu sehen ist.

Die Häuser und Siedlungen der Bevölkerung außerhalb der Townships sind durchgehend von teilweise martialischen Mauern und Zäunen umgeben, das Leben findet fast ausschließlich in gated Communities statt, muss man wollen …

Am 29.09., dem sechsten Tag der Weltreise, sind wir früh aufgebrochen und nach Port Elizabeth, dem einen oder anderen Ende der Garden Route, je nach Perspektive, gefahren. Hier trennten sich unsere Wege für eine Nacht, es klingt komplett idiotisch, aber wir sind auf unterschiedlichen Wegen nach Windhoek geflogen, Katha erstmal nach Durban, wo sie übernachtet hat, und von dort weiter nach Windhoek. Ich bin eine Nacht in Port Elizabeth geblieben und von dort nach Kapstadt und dann ebenfalls nach Windhoek geflogen. Das hat einfach damit zu tun, dass der erste Teil der Reise aufgrund akuter Ereignisse umgeplant werden musste. Wir haben aber noch zusammen mein Hotel aufgesucht, das jede Menge kolonialen Charme versprüht, seine besten Tage hinter sich hat, aber mit seiner Patina immer noch schön ist. Entgegen der Annahmen, die durch dem Namen und die ersten Eindrücke erweckt werden, ist es recht einfach. Aber die Leute sind sehr nett, die Managerin hat mich heute morgen spontan zum Airport gefahren!

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Hier in Port Elizabeth haben wir das erste Mal deutlich gemerkt, dass wir weit entfernt von zu Hause sind, ansonsten ist Südafrika sehr europäisch geprägt, zumindest in den Gegenden, in denen wir uns bewegt haben (Afrika für Anfänger). Hier waren wir wirklich überall, auch in der schicken Ecke, in der sich mein Hotel befindet, die einzigen Weißen.

Der Flughafen ist im Wesentlich dazu da, die Besucher der Garden Route, die Kapstadt nicht als Anfang, sondern als Ziel ihrer Reise sehen, abzukippen. Erstaunlicherweise zeigt sich am Airport ein ähnliches Bild wie auf der Garden Route; hier sind die Reisenden fast ausschließlich europäisch aussehend und das Personal nicht.

Ansonsten ist nix los in der Stadt, umgangssprachlich echt tote Hose. Bei meinem längeren Spaziergang in der Umgebung des Hotels gab es kein einziges Café oder Restaurant, um mal eine Pause einzulegen. Aber direkt neben dem Hotel ist ein netterPark, angelegt im Gedenken an Nelson Mandela.

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Deswegen der lange Aufenthalt im Hotel und viel Zeit, die Leser meines Blogs mit jeder Menge Text zu erschlagen.

 

Tag 4, George, Victoria Bay, Oudtshoorn und Knysna

Heute morgen sind wir in Mossel Bay gestartet und erstmal Richtung George gefahren – ja, das ist wirklich der Name eines Ortes, meine spontane Assoziation hierzu war, dass analog eine deutsche Stadt ja auch Günter heißen könnte, aber es wäre wohl eher Friedrich oder Wilhelm geworden. Na ja, in Australien gibt es einen Ort, der einfach 1770 heißt, nach dem Jahr, in dem Thomas Cook dort anlandete und das Unglück über den neuen Kontinent brachte, zumindest aus Sicht der indigenen Bevölkerung, die Engländer waren ja ganz froh, dort ihre Kleinkriminellen unterbringen zu können. Zurück nach Südafrika; in George kann man Golf spielen, was wir nicht tun, deswegen auch keine Fotos zu diesem Thema, oder aber baden gehen, zum Beispiel in der Victoria Bay, und die haben wir uns angeschaut.

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Danach sind wir aufgebrochen in die Kleine Karoo, eine Halbwüste mit noch angenehmem Klima, weil nicht durch einen Gebirgszug vom Meer getrennt. Über den Outeniqua Pass sind wir nach Oudtshoorn gefahren, die Landschaft war sensationell und nur schwer per Foto einzufangen, aber wir haben unser Bestes gegeben.

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9ED88C8C-3B54-43E7-ADE3-ECA950E086D3In Oudtshoorn sind wir zufällig auf der Straußenfarm (dort gibt es wenige andere Themen als die Straußenzucht) gelandet, auf der Micha und ich 2016 schon mal waren, deswegen auch das etwas dämliche Bild von mir mit dem Straußenei. Von Katha gibt es auch so eines, aber sie verweigert ihr Zustimmung zur Veröffentlichung. Dieses Bild stellt einen Akt der Solidarität mit Micha dar, von dem es ein ähnliches Bild zu familieninterner Berühmtheit gebracht hat. Er guckt darauf … naja, ratlos … Nun weißt du, wer wirklich zu dir hält!

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Ansonsten war das Ganze eine recht kommerzielle Angelegenheit, aber trotzdem interessant, wir haben u.a. unterschiedliche Straußenarten (Canyon-Strauße und solche aus Simbabwe, hier fehlt mir das passende Adjektiv, und aus Südafrika) und deren Vor- und Nachteile, das Fleisch, die Federn und das Verhalten betreffend, kennengelernt. Nichts, was einem im Alltag weiterhilft, als Teil eines globalisierten Bildungskanons aber nicht zu vernachlässigen.

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Fieserweise sind wir dann direkt von den lebenden Straußen in ein Restaurant gefahren, um dort ein Steak der gleichen Tierart zu essen, was schon darauf hindeutet, dass der Niedlichkeitsfaktor der Viecher sich in Grenzen gehalten hat. War aber eine zähe Angelegenheit (das Fleisch, nicht die fehlende Niedlichkeit) und muss von meiner Seite aus nicht wiederholt werden.

Von Essen sind wir dann direkt in die Urlaubshochburg Knysna gestartet, um dort unsere Unterkunft für die nächsten zwei Nächte aufzusuchen. Hierfür mussten wir in einem wirklich sehr edlen Hotel den Schlüssel für das von uns gebuchte Popel-Apartment abholen. Hierbei stellte sich heraus, dass auf dem Weg von booking.com zum Hotel unsere Reservierungsdaten verloren gegangen waren, obwohl schon alles bezahlt war. Unser Apartmenr war deswegen auch anderweitig vergeben. Ich fing gerade an, mich auf Betriebstemperatur zu bringen, als der sehr nette Mensch an der Rezeption uns mitteilte, diesen Lapsus tief zu bedauern. Selbstverständlich würde er uns eines der sehr schicken Hotelzimmer vor Ort, das heißt, hoch über der Stadt Knysna mit fantastischem Blick, zur Verfügung stellen, natürlich inkl. Frühstück. Zum ersten Mal keine Käsekräcker mit Nescafé morgens!

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Die Architektur unseres Zimmers ist so innovativ, dass auf eine Tür zwischen Bad, welches auch die Toilette beherbergt, und Zimmer verzichtet wurde. Wir finden es ein wenig gewöhnungsbedürftig, trauen uns das aber kaum zu denken, um uns nicht als Kreativ- und Fortschrittsbremsen zu outen. Nun sitzen wir auf dem Balkon mit eben beschriebenem und dargestellten Blick, morgen testen wir mal den dazugehörigen Garten, und lassen es uns gutgehen.