Archiv der Kategorie: Allgemein

Tag 34, Ergänzungen

Gar nicht erwähnt habe ich die Holocaust-Gedenkstätte in Montevideo, darüber war ich doch ein wenig erstaunt, haben sich hier auch so viele Nazis versteckt wie in anderen südamerikanischen Ländern oder ist es einfach Empathie?

Und noch ein Bild von der abendlichen Stimmung in der Hostel-Lounge

Nett hier …

Tag 34, Strand und Tango in Montevideo

Heute habe ich mir u.a. ein Fahrrad geliehen, geht hier direkt im Hostel, und bin an der sog. Rambla am Rio de la Plata entlanggefahren. Es mag in diesem Zusammenhang komisch klingen, war aber ein bisschen wir Urlaub. Kein Freewalk mit Stadterklärungen u.ä., sondern nur Sonne und Wasser. Zwischendurch musste ich mir immer wieder klar machen, dass das um mich herum weder Ostsee noch Spanien ist, sondern eine Stadt ganz weit unten in Südamerika.

Erstaunlicherweise gibt es hier anscheinend keine deutschen Touris, und wenn doch, verstecken sie sich gut. Allerdings hat es eine deutschsprachige Biermarke bis hier runter geschafft:

Und auch noch ein anderes Phänomen scheint nicht auf Deutschland beschränkt zu sein:

Direkt um die Ecke vom Hostel, im Zentrum der Altstadt, ist heute eine Art Milonga umsonst und draußen.

An die Tango-Paare auf der Bühne bin ich leider nicht näher herangekommen.

Es gab auch ein Orchester, das, wer hätte es erwartet, Tangos spielte.

Und auch eine kleine Tanzfläche für das Publikum.

Das ist schon eine ernste Sache mit dem Tango.

Morgen geht es zurück nach Buenos Aires und zum Sprachkurs, habe fast das Gefühl, wieder zur Arbeit zu fahren, so schnell wird das Leben dort zum Alltag. Aber Montevideo ist tatsächlich deutlich entspannter, weil auch viel kleiner. Und die Lage an der Flussmündung ist hier anders genutzt.

Montevideo, immer noch Tag 33

Ein kurzer Hinweis in eigener Sache: Dieser Blog hat eine Kommentarfunktion und ich freue mich sehr, wenn sie auch genutzt wird!!! Das ist zum einen eine Kontaktmöglichkeit in die Heimat und zum anderen fände ich es spannend zu wissen, wer meine bebilderten Berichte überhaupt liest. Ihr könnt auch entscheiden, ob ihr euren Kommentar veröffentlichen möchtet oder nicht, einfach einen kurzen Hinweis integrieren. Und falls das zuviel ist; der Blog bzw. einzelne Beiträge können auch schlicht geliked werden.

Und nun zur Reise nach Uruguay: Nichts, aber auch gar nichts hat auf der elektronischen Ticketbestätigung darauf hingewiesen, dass der Trip nach Montevideo nicht aus einer entspannten vierstündigen Seefahrt von Hafen zu Hafen bestehen würde! Zum Glück vorgewarnt stellte sich heraus, dass die blöde Fähre lediglich bis Colonia fährt, ein touristisch überlaufener Ort auf der anderen Seite des Rio del Plate. Der Name scheint Programm zu sein. Hier musste ich umsteigen in einen langsamen Bus, der drei Stunden durch die Pampa fuhr, wobei dieser Begriff hier nicht metaphorisch zu verstehen ist. Angekommen in Montevideo habe ich das erste Mal seit langer Zeit mal wieder einen Stau erlebt, ist auch auf dieser Seite der Welt blöd! Aber das Hostel ist schön und mitten in der Altstadt, Montevideo wirkt auf mich deutlich abgerockter als Buenos Aires, sowohl was die Bausubstanz als auch das Publikum auf den Straßen betrifft. Alles macht hier einen viel ärmeren Eindruck.

Auffällig war während der Busfahrt, dass Pferde auf dem Land eine große Rolle spielen. Wenn sie nicht grade irgendwo, durchaus auch am Straßenrand, herumstehen, ziehen sie beladene Kutschen und das mindestens im Trab, häufig auch im Galopp, vielleicht um schneller wieder herumstehen zu können?

Morgen mehr dazu, erstmal ein paar visuelle Eindrücke:

Fahrt durch einen Vorort, vom Bus aus fotografiert 1

Fahrt durch einen Vorort, vom Bus aus fotografiert 2

Ausblick vom Hostel aus

In der Nähe vom Hostel am Wasser

Plaza Independencia

Immer noch Sprachschule, nun mit Ausflug und Kino, aber leider fast ohne Bilder, Tag 31, 32 und der Beginn von Tag 33

Um meinen einzigen inoffiziellen Follower nicht zu enttäuschen und zum morgendlichen Tagesspiegellesen zu nötigen, hier schnell der Bericht über die letzten beiden Tage, wenn auch mit Verspätung

Kurzer Nachtrag noch zum Besuch des Friedhofs in Recoleta an Tag 30; nach der Besichtigung der wuchtigen Monumente dort wollte ich noch in ein nahegelegenes Kunstmuseum und ging zu dem Gebäude auf dem Foto unten. Von der Größe und der schwierigen Orientierung im Gebäude abgeschreckt, habe ich eine Möglichkeit genutzt, die nur das Alleinreisen bietet, und einfach beschlossen, der Kultur an diesem Tag nicht mehr gewachsen zu sein. Der U-Bahnhof war direkt um die Ecke und ich bin nach Hause gefahren. Diese Entscheidung war die beste, die ich treffen konnte, am nächsten Tag habe ich nämlich erfahren, dass es sich nicht um das Museum handelt, sondern um die juristische Fakultät der Uni von Buenos Aires, das hätte sehr peinlich enden können …

Bildnachweis: http://tommr.net/geschichte-von-buenos-aires/

Die folgenden Bilder sollen einen kleinen Einblick bieten in das Gebäude, in dem die Sprachschule untergebracht ist, keine Ahnung, ob es sich hier eher um spanischen Kolonial- oder um französischen oder sonstigen Jugendstil handelt, es ist auf jeden Fall schön und auch typisch für Buenos Aires.

Echt eine angenehme Arbeitsatmosphäre hier und ich bin froh, auf der anderen Seite zu sitzen … fünf Unterrichtsstunden jeden Morgen, ständig wechselnde, winzige Gruppen (4-5 Leute), immer die gleichen Inhalte! Das ist einerseits wahnsinnig anstrengend und andererseits inhaltlich langweilig. Aber die jungen Leute, die ich bis jetzt kennengelernt habe, strahlen eine große Begeisterung für ihren Job aus.

Ein bisschen anders ist das mit der Inhaberin meiner Unterkunft. Die Wohnung ist echt charmant, sie hat drei Zimmer, die sie vermietet, eines davon ist allerdings ein fensterloses Durchgangszimmer. Von diesem aus gelangt man in einen winzigen, schräg darüber liegenden Raum, der immerhin ein Fenster hat, aber nicht wirklich vom Rest der Wohnung abgetrennt ist, an einer Stelle besteht sogar echte Gefahr, in den darunterliegenden Flur zu stürzen. Dorthin soll ich am nächsten Montag ziehen Ein Zimmer ist schön und ganz normal, da bin ich momentan untergebracht, am Montag kommt jedoch ein Mann, für den angeblich alle anderen Betten zu klein sind, deshalb soll er mein jetziges Zimmer kriegen. Ich habe mir schon mal ein Hostelzimmer reserviert, zum Zeitpunkt, an dem diese Zeilen für die Ewigkeit entstehen, überlege ich noch …

Die Vermieterin hat noch zwei Zimmer übrig für sich, ist jedoch immer nur im winzigen Schlafzimmer, weil dort auch der ständig laufende Fernseher und der Computer untergebracht sind. Neben der Einsamkeit als momentan einziger Gast hier zieht mich das noch zusätzlich ein bisschen runter. Andere alleinreisende Sprachschüler*innen in meinem Alter (sooo viele sind das nicht) haben etwas mehr Glück und sind mit anderen gemeinsam untergebracht. Aber so langsam läuft es an mit Kontakten!

Dabei geholfen hat an Tag 31, also am Mittwoch, ein Ausflug ins MALBA (Museo de Arte Latinoamericano de Buenos Aires), der Lehrer (die sind so jung, es fällt mir schwer, diese Bezeichnung anzuwenden) hat eine schöne Einführung auf Spanisch gegeben, von der ich ca. 25% verstanden habe, und war auch beim Rundgang dabei, neben anderen Schüler*innen natürlich.

Am Tag 32 gab es gleich zwei Extratermine, eine Übung zum Hörverstehen (Himmel, sprechen die hier schnell) und ein Kinoabend mit einem Film, produziert von Pedro Almodovar, den Titel muss ich nachliefern, in dem um mehrere Geschichten von Menschen ging, die die Kontrolle über sich komplett verloren und sämtliche Verhaltensnormen hinter sich gelassen haben. Zum Glück mit englischen Untertiteln.

Heute, Freitag, Tag 33, schwänze ich den Unterricht und mache mich gleich auf den Weg nach Montevideo, wo ich für zwei Tage in einem Hostel bleibe. Ein kleiner Rucksack ist gepackt, das Ticket für die langsame Fähre gebucht und ich freue mich, nochmal etwas anderes zu sehen. Wie beschrieben, ist die Situation in meiner Unterkunft momentan auch nicht ideal. Buenos Aires kommt mir (und anderen auch) sehr schnell sehr vertraut vor, ein bisschen wir ein spanisches Berlin, spanisch nicht nur wegen der Sprache. Auch die Lebensart ähnelt dem, was ich von Spanien kenne, zum Beispiel gibt es in jedem zweiten Haus einen Frühstückskaffee mit Croissant. Trotz der Größe ist es auch einigermaßen übersichtlich, was zum Teil daran liegt, dass die Straßen so lang sind, dass sie mehrere Stadtteile durchziehen. Diese Stadtteile sind jeweils eigene kleine Zentren mit deutlich unterschiedlichem Charakter, wie in Berlin.

Nun geht es los …

Spanisch und der Friedhof von Recoleta, Tag 30

Nach einem weiteren anstrengenden Spanisch-Kurstag bin ich noch zum Friedhof von Recoleta gelaufen, das war wirklich beeindruckend, die Mausoleen sind ungefähr so groß wie eine Wellblechhütte in Afrika für eine ganze Familie. Und die Aufbewahrungsorte für Särge sind etwas verstörend, die sind einfach hinter Glastüren sichtbar in Regalen untergebracht oder in Schubfächern, wie in einer Leichenhalle im Krimi und vielleicht ja auch in der Realität, nur ist das Ganze hier schöner gestaltet.

Die Fotos sind wieder mit dem Handy gemacht, aber in Anbetracht der Höhe der Mausoleen und der Enge der Gänge hätte eine andere Kamera das auch nicht besser hingekriegt.

Hier extra ein Bild mit Menschen, damit deutlich wird, wie riesig die Grabmale sind.

Mehr ist heute nicht passiert außer noch einem Ausflug in eine Mischung aus Bar und Restaurant, das könnte die temporäre Stammkneipe werden.

Tag 29, Spanisch und Caminito

Heute startete der Spanischkurs und ich saß mal auf der anderen Seite im Lerngeschehen … puuuuh, wieder wurde klar, dass eine linguistische Doktorarbeit den Erwerb einer neuen Sprache in keiner Weise erleichtert, wer hätte das gedacht! Aber ich weiß auch sicher mehr über das Türkisches als Muttersprachler*innen, erstaunlicherweise sind diese in der Lage, die Sprache zu sprechen und ich nicht!

Wir sind nur zu viert und ich finde das Tempo ganz schön hoch, fünf Unterrichtsstunden pro Tag sind auch nicht ohne, hoffentlich hilft´s. Danach bin ich in das vielbesuchte Stadtviertel La Boca aufgebrochen und da das Busfahren hier recht eigenartig ist, die Haltestellen teilweise nur an einem winzigen Hinweis auf irgendeinem Haus erkennbar sind und die Busse ohne Struktur und Plan fahren, bin ich aus Versehen die gesamte Strecke gelaufen. Der Grund für den touristischen Besucherandrang ist Caminito, eine Ansammlung von malerischen (im wahrsten Sinne des Wortes) Häusern, die in Billigbauweise unter Verwendung von Wellblech von italienischen Seefahrern gebaut und gestaltet wurden.

Hier ein paar Bilder, wieder mit der iphone erstellt, im Unterricht wollte ich nicht gleich mit der fetten Kamera auflaufen.

Auf dem Weg dorthin gab es aber auch noch andere schöne Straßenzüge, na gut, sie waren mal schön und haben jetzt einen etwas morbiden Charme.

Sehr iberisch, oder? Die Fliesen?

Zugegeben, das Haus ist nicht schön, aber die alten Fliesen verströmen koloniale Patina.

Tag 27 und 28, der längste Flug meines Lebens und Ankunft in Buenos Aires

Von Addis Abeba nach Buenos Aires ist es wirklich verdammt weit … 12 Stunden bis Sao Paulo, dort eine Stunde dem Putzkommando zuschauen, wie es das Flugzeug stürmt, dann nochmal 2,5 Stunden nach Buenos Aires. Auf dem Plan sieht das alles immer nicht so schlimm aus, weil die Ortszeiten angegeben werden, da fielen erstmal schon die 6 Stunden Zeitverschiebung einfach raus. Aber auch der Flug hatte mal ein Ende, nun bin ich da und seit heute auch in einem vernünftigen Zimmer. Am ersten Tag bin ich einfach etwas planlos herumgelaufen und habe die Sehenswürdigkeiten fotografiert, die so zufällig auf meiner Route herumstanden. Das auch noch mit dem Handy, was ich weder mag noch kann, die Ergebnisse werden hier trotzdem eingestellt, damit es nicht so grau im Blog ist und alle sehen, dass ich wirklich hier bin, denn so schlechte Fotos zum copy und pasten muss man erstmal finden.

Unvollständiger Obelisko am Plaza de Mayo, dahinter das Government House, Regierungssitz mit Büro des Präsidenten, auch The Pink House genannt

Cabildo Buenos Aires, früher Regierungssitz, heute Museum

Denkmal, das in meinem kleinen Plan leider nicht weiter beschrieben wird

Brücke der Frauen, soll ein Tango tanzendes Paar symbolisieren …

Ein gigantischer Flohmarkt mit viel braunem Leder, Abfall von der Steakkultur hier, iś nix für Vegetarier

Addis Abeba intensiv an Tag 26

Da die Jungs jetzt noch ein bisschen weiter durch Äthiopien reisen und verschiedene Spaghettirezepte testen, habe ich den Nachmittag alleine mit dem besten Guide der gesamten Tour verbracht, Yigermak Getu. Und er hatte starke Konkurrenz, wir wurden durchweg von guten Guides begleitet. Ich habe viel von ihm lernen können, zum Beispiel, dass es keine Schulpflicht gibt, sondern der Schulbesuch der Kids im Ermessen der Eltern liegt. Es gibt zwar ein Zwei-Schicht-System der Beschulung, ein Teil der Kinder wird vormittags unterrichtet und ein Teil nachmittags, die Schulen liegen aber soweit auseinander, dass die Wege für viele Kinder zu weit sind. Außerdem sind sie Arbeitskräfte. Auf dem Land gehen aus diesen Gründen viele gar nicht zur Schule, entsprechend hoch ist die Analphabetenrate. Die Arbeitslosenquote ist ebenfalls schwindelerregend. Die Chinesen investieren zwar kräftig, aber das ist euphemistisch, sie kaufen das Land, schaffen aber bisher keinerlei Jobs. Es gibt überhaupt keine Form von staatlicher Unterstützung, deswegen auf dem Land auch viele viele Kinder.

Die Eukalyptusbäume, deren Holz intensiv genutzt wird, verbrauchen irrsinnige Mengen an Wasser und trocknen ihre Umgebung aus. Hier eine Dame, die sich kurz von der schweren Holzlast ausruht.

Nebenbei gab es im Nationalmuseum noch eine Druckbetankung über äthiopische Geschichte, Archäologie, Forschung über die Entwicklung von Mensch und Tier der letzten paar Mio. Jahre (Stichwort Lucy), Kunst … es war wirklich toll.

Addis, wie wir Insider sagen, ist ein Moloch, der berühmte Mercato, ein gigantischer Markt, der sich über sechs km erstreckt, auf dem alles Erdenkliche verkauft wird und in dem Touristen alleine schon verloren gegangen sind, ein gigantisches und dreckiges Chaos. 500 000 Menschen sind dort jeden Tag zugange.

Abends gab es noch einen touristenrummeligen Folkloreabend, aber immerhin gutes Essen, und das war es mit fast vier Wochen Afrika, eine unglaublich intensive und eindrucksvolle Zeit

Tag 24, fahrn fahrn fahrn

Der nächste Tag war ziemlich schrecklich, insb. für unseren Fahrer Alex, wir sind 450 km gefahren und haben dafür über 10 Std. gebraucht, weil die Straßen teilweise in einem furchterregenden Zustand waren. Ein wenig furchterregend war dann auch die Stimmung im Auto, wir Passagiere waren auch angestrengt, nicht zuletzt von Alex´ Musikgeschmack, der zu einer Auswahl von äthiopischer Musik führte, die für uns alle, mit verschiedenen musikalischen Vorlieben versehen, auf die lange Dauer eine Art der Folter darstellte. Aber Alex musste fahren und hatte einen harten Job, so dass wir die Zähne zusammengebissen haben.

Um die Zeit ein bisschen zu füllen, habe ich Fotos von der durchaus abwechslungsreichen Landschaft, Tieren und am Rande ein paar Menschen gemacht. Weil es hier in Lalibele, wo dieser Beitrag entsteht, grade Internet gibt, kommen auch ein paar Kommentare dazu.

So wie diese Frau lebt ein sehr großer Teil der Bevölkerung, in Hütten, entweder aus Holz (Eukalyptus, der in großen Mengen angepflanzt und in genauso großen Mengen abgeholzt wird) oder aus Steinen, das ist dann mindestens die Mittelschicht. Auch unser Guide Gebre, der mit uns in den Bergen war, hat weder Strom noch Wasser im Haus und lebt mit seinen Eltern und einem Bruder in drei Räumen, Küche, Wohnraum und Schlafzimmer. Um Wasser zu holen, sind Esel, oder, in flacheren Gegenden, Kamele ungeheuer wichtig.

Wasser wird in diesen gelben Kanistern transportiert, sie spielen also eine große Rolle im Straßen-, Stadt- und Dorfbild von Äthiopien

Diese Tiere auch in einigen Gegenden

An den Straßen gibt es häufig diese riesigen Plakatwände, in Europa inzwischen ein ungewohntes Bild. Ich muss dabei immer an den Film „Three Billboards…“ denken.

Eine Ladung Wasserkanister und ein typisches Straßenbild

In den Städten gibt es, da fast keine Privatautos unterwegs sind, weil schlicht niemand ein Auto hat, wirklich Unmengen von diesen mehr oder weniger liebevoll „Blaue Moskitos“ genannten dreirädrigen Fahrzeugen auf Motorrollerbasis, keine Ahnung, wie das zusammengeschraubt ist. Sie erinnern sowohl durch die Fahrer wie auch von der Menge her an Tuk-Tuks in anderen afrikanischen Ländern.

Es dämmert …

und wird immer dunkler …

Lalibela und die Kirchen, 25. Tag

Der Tag hat tatsächlich für die lange Fahrt entschädigt, wir haben einerseits die Felsenkirchen angeschaut, die zu Tarnungszwecken unterirdisch (sie schließen mit dem Erdboden ab, wie auf den Bildern hoffentlich erkennbar ist) in den Felsen gebaut wurden. Sie bestehen aus einem Stück, aus Felsgestein, d.h., es wurde nicht gebaut sondern gemeißelt. Lalibela hatte seine Blütezeit, als die von Axum sich dem Ende näherte, die Kirchen stammen alle aus dem 12. Jhd. Der damalige Herrscher wollte symbolisch Jerusalem nachbauen, um so die gefährliche Pilgerfahrt dorthin überflüssig zu machen. Zum Beispiel wurden deswegen die Kirchen auf beiden Seiten des Jordan-Flusses gebaut.

Hier soll die Sintflut symbolisch dargestellt werden.

Das Highlight, dieses und das folgende Bild sind sehr bekannt.

Mit dem Tod wird hier einigermaßen unbefangen umgegangen, diese ca. 300 Jahre alten Mumien liegen nicht etwa hinter Glas, sondern offen herum, jeder kann sie antatschen, das ist aber nicht wirklich verlockend.

Auf dem nächsten Bild sieht die / der geneigte Lesende die ausgesprochen blutige Haut eines frisch geschlachteten Tieres, wohl ein Rind, daneben spielen in aller Ruhe Kinder.

Vormittags und nachmittags gab es jeweils ein wirklich intensives theologisch-historisches Kirchenprogramm, zwischendurch hatten wir zum Glück eine Pause. In ebenjener wurden wir von einem sehr netten 10jährigen Mädel namens Africa angesprochen und innerhalb von kürzester Zeit gesellten sich zahlreiche andere Kinder zu unserer kleinen Gruppe, hier einige von ihnen.

Sie sprachen alle richtig gut Englisch, obwohl sie zum Teil auch noch kleiner waren als Africa. Es gab zahlreiche Einladungen zum Kaffee, Tom nahm schließlich die von Africa zu ihrer Mutter an, als er zusagte, traute ich mich auch, mitzugehen.

Das kleine Haus der Familie lag in diesem Hof:

Wir wurden in den Wohnraum eingeladen, es gab hier weder Strom noch Wasser, gekocht wurde an einer Feuerstelle im Zimmer, der Raum quoll über von Kindern, eine Nachbarin kam ebenfalls mit ihrem Nachwuchs.

Tom mit Africa und ihrem Zwillingsbruder.

Die Dame des Hauses mit drei ihrer vier Kinder

Alle waren nett, interessiert und freundlich, wollten am Ende Geld für den Kaffee, aber ich denke, das war ok. Die Mutter, die auch den Kaffee auf traditionelle Art zubereitet hat, lebt dort meist allein mit vier Kindern, der Vater arbeitet irgendwo auf dem Land und kommt selten. Anscheinend ist das eine Art, sich ein bisschen Geld dazu zu verdienen. Und für uns war das ein spannender Einblick in das wirklich karge Leben der normalen Menschen. Hoffentlich erfüllen sich die Träume der Kinder, die alle Ingenieur oder Physiker werden wollen, damit sie irgendwann die Chance auf bessere Lebensverhältnisse haben!

Dass ein etwas leichteres Leben durchaus möglich ist, haben wir abends bei einer organisierten Kochaktion in einer anderen Familie gesehen. Hier gab es Wasser aus einem Hahn im Garten und auch Elektrizität, dieser Luxus ist allerdings auf die Stadtbevölkerung beschränkt, die Menschen auf dem Land leben so wie die Familie, die wir am Nachmittag besucht haben. Dieser Programmpunkt war erstaunlich entspannt, wer meine Leidenschaft für´s Kochen kennt, kann sich vorstellen, dass es mir ein wenig bevorstand. Wir mussten allerdings dem Guide, der auch dabei war, etwas mühsam klarmachen, dass die beiden Herren Tom und Italo genauso tätig werden wollten (und sollten!!!) wie ich, das ist hier keine Selbstverständlichkeit.

Um das Feuer in Gang zu bringen, wurde erstmal ein bisschen Plastik angezündet, scheint ein übliches Vorgehen zu sein!

Gekocht wurde mit einfachsten Mitteln und ganz traditionell, da ich äthiopisches Essen schon immer gerne mochte, schmeckte es mir hervorragend.