Archiv des Autors: AvK in der weiten Welt

Von Gondar in das Simiengebirge, Tag 18 und 19ä

Vor dem Start zur nächsten Station machten der Fahrer Alex, Muhammed, der Guide und ich noch einen Ausflug zum Flughafen und holten endlich meinen Koffer ab. Ich konnte also mitfahren ins Gebirge und war sehr erleichtert!

Dann ging es los, u.a. durch einige Dörfer, von Alex im berserkerhaften Tempo durchquert, er fuhr dabei auch eine Frau an bzw. streifte sie an der schweren Last, die sie trug und sie fiel um, setzte sich aber gleich wieder hin. Das Auto ist voll von Äthiopiern, alle schienen es normal zu finden, einfach weiterzufahren, und uns drei Europäern fehlte es an Zivilcourage, wir schämen uns und geloben gegenseitig Besserung.

Im Gebirge wurden wir aus dem Auto gedropt und sind etwas mehr als 10 km bis zu unserem Camp gelaufen, für mich in mehrfacher Hinsicht eine Herausforderung. Ein Aspekt war die Höhenlage, wir befanden uns auf 3300 m über dem Meeresspiegel, da wird die Luft dünn und die zahlreichen Steigungen wirklich anstrengend. Aber es war toll, landschaftlich einerseits

und tierisch andererseits: wir trafen auf eine riesige Herde Gelatas, das sind keine Eiswagen, sondern eine sehr charmante Pavianart, die nur Gras frisst, aber das in Mengen. Menschen gegenüber sind sie komplett furchtlos und lassen sie nah an sich heran.

Tom, einer der beiden Mitreisenden, inmitten der Herde

Es gibt aber auch Grenzen, diesem männlichen Exemplar bin ich wohl mit der Kamera zu nahe gekommen, die Reaktion ist fotografisch spannend, in live aber beängstigend.

Die Landschaft alleine ist schon ein Grund, nach Äthiopien zu reisen, besonders spannend finde ich persönlich aber die Menschen und ihre Lebenssituation in den von mir bereisten Ländern. Anhand der Fotos von den Dörfern und Städten wird vielleicht schon deutlich, wie einfach das Leben in fast jeder Hinsicht hier ist. Wir hatten aber, im Rahmen unserer Möglichkeiten, auch mit Äthiopiern direkt zu tun, zum Beispiel deswegen, weil im Zeltcamp jede Menge Arbeitskräfte für das Wohl von uns drei Touris zuständig waren:

Kitibu, unser Guide

Solomon, der Koch

Kindu, der Assistent des Koches (beide leisten schier Unglaubliches),

Sisay, unser bewaffneter Wächter Sisay und

Alex, der Driver (in grün)

Alle haben nicht nur ihre eigene Aufgabe, sondern kümmern sich wirklich um alles, tragen unser Gepäck, bauen Zelte auf und ab, organisieren Schlafsäcke und erfüllen uns jeden Wunsch.

Weshalb ich das alles beschreibe: Die Menschen, die hier im Tourismusbereich arbeiten, haben ein wirklich hartes Leben, viele von ihnen schlafen draußen oder auf dem harten Boden der Küchenhütte und sie arbeiten pausenlos. Dabei bleiben sie immer freundlich, hilfsbereit und wollen uns alles so komfortabel wie möglich gestalten. Die, die Arbeit haben, sind die Gewinner, noch härter ist das Los derer, die zu den Touristenstandorten kommen, dort ihre Dienste anbieten und häufig unverrichter Dinge wieder abziehen.

Wir als Europäer haben uns wirklich geschämt, uns über Kälte und Feuchtigkeit zu beschweren. Trotzdem: Die Nacht im Zelt gehört zu den bisherigen Tiefpunkten der Reise, es donnerte, blitzte, regnete und wurde im Zelt zunehmend feucht. Kalt war es auch. Am nächsten Morgen fand ich in den Tiefen des zur Verfügung gestellten Schlafsacks eine männliche Boxershorts – zum Glück hatte ich vollständig bekleidet darin geschlafen. Die Toilettensituation war katastrophal, ich bin nicht pingelig und war auch schon auf sehr vielen Klos unterschiedlichsten Standards, aber dieses ging gar nicht. Das Ergebnis waren Ausflüge in den Busch, nachts auch nicht unbedingt angenehm.

Am nächsten Morgen haben wir nochmal eine tolle Wanderung gemacht, bei der wir unter anderem auf diese Gruppe trafen.

Außerdem bin ich über diese wirklich beängstigend hohe Felsenbrücke gegangen, na gut, eher gekrabbelt:

Die Affen waren zu dem Zeitpunkt natürlich nicht an dieser Stelle.

Das Mittagessen war, wie alle Mahlzeiten im Camp, spitze. Hier Italo an unserer festlich gedeckten Tafel.

Dann fing es an, in Strömen zu regnen. Die Feuchtigkeit in den Zelten verwandelte sich in Nässe, die wirklich alles durchdrang, so dass, zumindest für uns europäische Weicheier, nicht daran zu denken war, noch eine Nacht im Camp zu verbringen. Kurzfristig haben wir uns ein Hotel organisiert und eine warme Dusche und ein weiches Bett genossen. Unsere zahlreichen Mitreisenden (s.o.) hätten es nie zugegeben, haben sich aber leise doch gefreut, früher als geplant wieder nach Hause zu kommen.

Tag 17, Flug von Addis nach Gondar

Heute ist Utes Geburtstag, sie wird meine lange Abwesenheit nicht bemerken, aber ich denke an sie.

Mein Leben geht weiter und heute führt die Reise nach Gondar, in aller Frühe habe ich das Hotel wieder verlassen und wurde zum Airport gebracht. Den Flug habe ich leider immer noch ohne Koffer antreten müssen, das Thema hat den Guide, mich und einige andere mehr oder weniger freiwillig auch immer wieder beschäftigt. Am Ende des Tages gab es aber die Info, dass der heutige Flieger aus Johannesburg mein Gepäck an Bord hat und selbiges morgen früh von Addis Abeba hierher nach Gondar transferiert wird. Wenn das nicht klappt, habe ich ein echtes Problem!

Gondar ist eine alte Kaiserstadt und war zeitweise die Hauptstadt von Äthiopien, es gibt hier einen gigantischen Palast, der von einem Herrscher angelegt und von dessen Nachfahren immer weiter ausgebaut wurde. Erstaunlich ist die sehr europäisch anmutende Architektur, ich werde und kann nichts Historisches dazu verfassen, das muss alles erstmal verarbeitet werden, sondern nur ein paar visuelle Eindrücke liefern.

Das Badehaus zum Palast

Der junge Mann arbeitet an einer Youtube-Karriere vor historischem Hintergrund.

Äthiopien wurde schon sehr früh christianisiert, hier ein paar Bilder aus der Debre Berhan Selassie Kirche:

Besonders fasziniert hat mich das Treiben in der Stadt, die mir vormittags von unserem Guide Mohammed gezeigt wurde. Der Begriff Kulturschock trifft es am besten, ich fühlte mich spontan um 50 Jahre zurück versetzt. Überall laufen Esel, Rinder und Ziegen herum, Pferdefuhrwerke haben die Funktion, die in der westlichen Welt schon lange von Automobilen übernommen wurde und Esel werden für das Tragen von Lasten eingesetzt. Wir sind hier in einer Stadt, nicht in einer landwirtschaftlich geprägten Gegend! Für Menschen, die Tiere mögen, ist der Anblick insb. der zur Arbeit verwendeten Esel und Pferde nicht immer erfreulich. Aber auch vielen Menschen geht es hier schlecht.

Blick von meiner Hotelterrasse

Diese Fuhrwerke werden für dem Transport von Holz, das für den Bau von Häusern genutzt wird, eingesetzt.

Es ist nicht immer einfach, gute Bilder hinzukriegen …

Auf dem Markt

Ohne Kommentar

Katha, diese beiden Damen habe ich um Erlaubnis gefragt!

Heute habe ich auch die anderen zwei Drittel unserer Reisegruppe kennengelernt, zwei nette Herren aus der Schweiz, die die Hälfte des Jahres in Südafrika verbringen und den Weg dorthin immer mit dem Besuch eines Landes verbinden, das auf der Strecke liegt, dagegen bin ich echt eine Stubenhockerin!

Von Namibia nach Äthiopien ohne Koffer , Tag 16

Nun ist die Zeit in Namibia auch schon um, es war eine tolle Erfahrung und das Land, von dem wir natürlich viel zu wenig gesehen haben, hinterlässt einen ambivalenten Eindruck bei mir. Die Natur ist ungeheuer vielfältig und teilweise überwältigend, dazu gehören Landschaften, Pflanzen und Tierwelt. Die touristische Infrastruktur ist sehr gut ausgebaut, die Leute sind freundlich und hilfsbereit (wie immer gibt es auch hier Ausnahmen). Sozial gesehen ist es ebenfalls überwältigend, aber nicht schön. So saßen wir gestern abend in einer sehr kolonial-edel wirkenden Lodge zum Essen (nicht zum Übernachten!), neben uns schwadronierten deutsche Pensionäre über ihre riesigen Wohnmobile, mit denen sie monatelang Afrika bereisen. Dabei beschwerten sie sich über schlechte Straßen und hohe Eintrittspreise in die Naturparks. Das Alles vor dem Hintergrund eines Landes, in dem ein nennenswerter Teil der Bevölkerung in spontan angelegt wirkenden Siedlungen in winzigen Blechhütten lebt, in denen es kein Wasser aus der Leitung und in vielen Fällen keinen Strom gibt. Auf der anderen Seite bestimmen in den wohlhabenden Stadtteilen riesige Mauern mit Spitzen oder Stacheldraht obendrauf, mit denen die Menschen ihre Häuser gegen die Armen schützen (müssen), das Stadtbild. In Windhoek hat in den letzten Tagen eine Konferenz zum Thema Umverteilung, insb. des Grund- und Bodenbesitzes stattgefunden. Bei der Ansprache des Präsidenten sagte er, dass Namibia auch die Heimat der Nachkommen der Besatzer ist, die soziale Ungleichheit aber nicht hingenommen werden kann. Selbst die Zeitung der Deutsch-Namibier konstatiert, dass alle Weißen massiv von der Apartheid unter südafrikanischer Besatzung profitiert haben. Einer „ersatzlosen Enteignung“ steht diese Blatt natürlich kritisch gegenüber, diese scheint aber durchaus eine Option zu sein, um mehr Gerechtigkeit herzustellen. Soweit die furchtbar oberflächliche und stümperhafte Analyse der sozialen Situation dieses spannenden Landes.

Nach einem sechsstündigen Flug bin ich nun in Addis Abeba angekommen, mit einer Stunde Verspätung, jeder Menge Chaos bei der Einreise und leider zunächst ohne meinen Koffer … morgen um 6.00 Uhr geht es gleich weiter nach Gondar, das heißt, dorthin muss auch der Koffer den Weg finden, ich bin sehr vorsichtig optimistisch. Zum Glück habe ich einen üppig ausgestatteten Rucksack dabei, mit Zahnbürste, Schminkzeug etc. Und die Reisegruppe (bestehend aus zwei weiteren Herren aus der Schweiz, noch älter als ich) treffe ich heute auch noch nicht, sondern erst morgen in Gondar. Dann gibt es hoffentlich auch wieder Fotos! Und was zu Essen!

Tag 15, der letzte gemeinsame Reisetag mit Katharina

Heute ist nicht viel passiert, wir sind lediglich von Omuthiya beim Etoshapark nach Windhuk gefahren, 600 km, und in einer Lodge in Flughafennähe untergekommen. Da es hier einen flexiblen und netten Shuttle-Service gibt, habe ich mir den Luxus erlaubt, das Mietauto jetzt schon zurück zu geben. Morgen um 5.30 Uhr lasse ich mich zum Flughafen fahren und nehme Kurs auf Addis Abeba. Katha bleibt noch einen Tag hier, es lässt sich hier gut aushalten mit kleinem Pool, einem ebenfalls kleinen Restaurant und ganz netten Leuten. Übermorgen fliegt sie nach Kapstadt, das sie schon gut kennt, erledigt da den letzten Punkt auf ihrer Tourilist3, übernachtet einmal und fliegt dann heim. Sie wird mir sehr fehlen, es war eine tolle Zeit und wir waren (außer beim Bezahlen) wirklich auf Augenhöhe, sie ist super organisiert, hilfsbereit, wir haben uns gut abstimmen können und kann besser Karten lesen als ich … das kann zugegebenermaßen so gut wie jede*r, aber sie ist darin wirklich gut. Nun kommen aber doch mütterliche Sorgen durch, ruhig bin ich erst, wenn ich weiß, dass sie gut zu Hause angekommen ist. Aber jetzt machen wir uns einen netten letzten Abend und feiern ein bisschen den Ausklang der gemeinsamen Reisezeit.

Tag 14: Eindrücke von „unserem“ Dorf und die letzten Tiere von der Liste

Nach einem mehr oder weniger faulen Vormittag g (ich war fleißig bei der Literatur- und Informationsbeschaffung über meine nächsten Reiseziele, Äthiopien und Argentinien)

Hier ein Foto des Pools inkl. Festungsmauer, wo ich meinen Fleiß ausgelebt habe

mussten wir noch unsere Wasservorräte im ortseigenen Supermarkt auffüllen. Katharina ging in den Laden und ich hatte endlich einen Moment Zeit, ohne moralische und juristische Skrupelbehelligung ein paar Fotos zu machen. So ganz einfach war es nicht, als einzige Weiße (außerhalb des Supermarktes, da war ja Katha drin) mit der Kamera war ich sehr auffällig und hätte eigentlich mehr Zeit gebraucht, um Menschen auch um Fotoerlaubnis zu bitten. Aber das wäre ja wieder für die einzige andere Weiße im Ort und außerhalb unserer festungsartigen Unterkunft superpeinlich gewesen. Hier also das Ergebnis meiner Bemühungen, zum Teil auch aus dem Auto heraus:

Aus dem Park nur noch ein paar wirklich besondere Eindrücke,

hier meine ganz persönlichen Lieblinge, Warzenschweine.

Und dies ist ein besonders seltener Anblick, ein Leopard.

Nashörner sieht man auch fast nie, dieses lag direkt am Weg herum. Wir waren in der Mittagshitze unterwegs, ohne Klimaanlage empfiehlt es sich, gar nix zu tun.

Die folgenden Bilder sind direkt aus der Etosha-Pfanne, von einer Stelle aus, die direkt in dem ausgetrockneten See liegt, der der ganzen Umgebung seinen Namen gegeben hat.

Tag 13: Wieder Etosha Nationalpark, weil es so schön war …

Zunächst einige Bilder und Eindrücke aus dem Park, in dem wir (auf der Fahrerseite ich, weil Katha mit den abenteuerlichen Wegen Probleme hat) sechs Stunden herumgefahren sind.

Nochmal ein Bild wie aus dem Bilderbuch an der Wasserstelle.

Es ist heiß, bis über 40 Grad!

Herzig, oder?

Giraffen haben es auch nicht leicht!

Reine Angabe, den Ovambo ist es durchaus gelungen, das Fort komplett zu zerstören.

Unsere Unterkunft ist nicht im Park, sondern nördlich außerhalb der riesigen Anlage, weniger aus Bescheidenheit, vielmehr war bei unserer Buchung im Park schon alles ausgebucht. Eigentlich finde ich es aber prima, in einem ganz normalen Dorf, Omuthiya, zu wohnen. Die Unterkunft ist, wie immer, martialisch gesichert, aber zumindest Einkaufen, Tanken und Geld abheben geschieht mitten im ganz normalen afrikanischen Alltag. Auf dem Weg in „unsere“ Stadt, die insb. jetzt am Wochenende voller Leben ist, sehen wir auch einiges. Zum Beispiel sehr viele Wellblechhütten-Siedlungen, die einfach auf den Acker gebaut sind, ich kann mir nicht vorstellen, dass es dort eine gesicherte Strom- und Wasserversorgung gibt.

Beispiel für eine Wellblechhütte irgendwo am Straßenrand

Der Barbershop in dem Dorf, in dem wir wohnen.

Wir sind hier im Norden im Ovamboland, die Ovambos sind die bevölkerungsreichste Gruppe in Namibia, diesem Stamm gehören 50% der Einwohner an. Obwohl das Land fruchtbar ist und die Region infrastrukturell gefördert wird (um einen Puffer zwischen den weißen Bevölkerungsgruppen und der angolanischen Grenze aufzubauen, wird vermutet), können nicht alle Einwohner mit Nahrung und Arbeit versorgt werden, entsprechend groß ist die Armut und die Abwanderungsquote in andere Gebiete.

Ein Höhepunkt der Reise: Der Etosha-Nationalpark, Tag 12

Heute sind wir von unserer Unterkunft in Kamanjab eigentlich erstmal nur durch den Etosha-Park gefahren, um schnell zur nächsten Station unserer Reise zu gelangen. Dort (also im Park) war es aber so toll, dass wir wieder viel zu spät in Richtung Unterkunft aufgebrochen sind und uns durch die afrikanische Dunkelheit schlagen mussten.

Der Park ist unglaublich und an den Wasserlöchern sieht es aus wie in einem Kinder-Bilderbuch über Afrika, es sind alle Tiere in Mengen dort zu finden.

Das friedliche Bild änderte sich allerdings, als eine Löwin die Szene betrat:

Die ersten Unruhe legte sich aber erstaunlich schnell wieder, zumal die Löwendame recht unentschlossen zwischen all ihrem potentiellen Futter herumspazierte. Eine tolle Szene, die wir beobachten durften.

Ansonsten haben wir Herden von Elefanten, Giraffen, Wasserbüffeln, unzählige Steinböcke, noch einen männlichen Löwen und vieles andere gesehen, Bilder folgen, versprochen!

Tag 11: Platter Reifen und viel Landschaft …

Eigentlich war uns klar, dass der Weg von Swakopmund nach Kamanjab auf den namibischen Straßen eine echte Herausforderung ist. In Europa ist es kein Problem, 600 KM als Tagesstrecke zu planen, hier schon – hätten wir mal auf die Reiseführer gehört.

Zunächst stellten wir erstaunt fest, dass SUVs gar nicht in erster Linie für die Auslieferung des Mittelschichtsnachwuchses an Kita und Schule gebaut sind; das lässt sich in Deutschland durchaus auch mit einem handelsüblichen Kleinwagen erledigen. Auf namibischen Straßen würde dieser aber elendig verrecken, selbst unser Duster mit Four-Wheel Drive hat es nicht durchgehalten. Aber von Anfang an:

Statt, wie es in Anbetracht der Strecke angebracht gewesen wäre, auf den größeren, teilweise etwas abenteuerlichen Verbindungswegen zu bleiben, mussten wir eine kleine, noch weniger befestigte Straße auswählen, um ein paar Sehenswürdigkeiten mitzunehmen. Dazu kam es allerdings nicht mehr, weil wir nach dem dritten Hinweis entgegenkommender Autos verstanden haben, dass einer unserer Reifen den Belastungen nicht gewachsen war – es hatte sich auch alles noch schlimmer angefühlt als vorher. Hier das Ergebnis:

Danke Rita, dass du uns darauf hingewiesen hast, unbedingt das Vorhandensein eines Reservereifens und des entsprechenden Werkzeugs zu kontrollieren!!!

Wir hatten allerdings erschwerte Bedingungen: Beide noch nie einen Reifen gewechselt und der Kofferraum ließ sich auf einmal nicht mehr öffnen! Zum Glück waren auf der Strecke viele Touris unterwegs, das erste Auto hielt und der männliche Teil des darin sitzenden deutschen Ehepaares half uns. Es war wirklich eine Herausforderung, über die Rückbank den Kofferraum zu entladen und Reifen rein- und rauszuwuchten. Diese Aktion und der fällige Werkstattbesuch zu Beschaffung eines vollwertigen Reifenersatzes verschlangen so viel Zeit, dass an die Sehenswürdigkeiten nicht mehr zu denken war, nur den versteinerten Wald haben wir noch im Schnelldurchlauf besucht.o

Diese vermeintlichen Baumreste sind versteinert (petrified) und ziemlich viele Millionen Jahre alt, wie viele genau, habe ich vergessen, aber das Wort „Millionen“ ist doch schon beeindruckend.

Nach 12 Stunden Fahrt durch eine tolle und wechselhafte Landschaft

sind wir völlig platt in der Unterkunft angekommen. Dort war es aber schön.

Nachtrag zu Tag 10

Da Katha immer sehr streng kontrolliert, welche Bilder von ihr der Öffentlichkeit gezeigt werden dürfen, ist sie in diesem Block leider nur selten zu sehen. Das folgende Bild ist aber so typisch für sie, sobald Kinder im Spiel sind, dass es hier einfach hingehört .. und das kleine Mädel ist doch auch sehr fotogen.

Kurz zum Kontext: Wir waren in einer Tagesstätte für Kinder, deren Eltern nicht genug Geld haben, sich eine der teureren, großen und sicher auch schöneren Kitas in der Township zu leisten. Entsprechend trist ist die Umgebung, ein Raum von ca. 20-25 qm ohne Fenster, in dem wirklich alles stattfindet, spielen, essen, schlafen und auch Vorschularbeit, der fünfjährige, fotoerfahrene Junge malt grade mehr oder weniger konzentriert den Buchstaben K aus … nein, liebe Kolleg*innen, hier keine Diskussion über den Sinn und Unsinn solcher Angebote!

Der 10. Tag: Townshiptour und Cape Cross

Es ist schon wieder passiert; ich habe etwas unternommen, was ich in der Theorie immer abgelehnt und als Ghetto-Glotzen oder Armuts-Tourismus bezeichnet habe, aber besondere Umstände bauen die Mauern der eigenen Borniertheit ab: Wir haben an einer Tour durch die (laut Duden online der korrekte Artikel) Township Mondesa teilgenommen. Meine persönliche Klischee-Vorstellung zu einer solchen Aktion war die, dass ein in Ehren ergrautes, gleitsichtbebrilltes, in Funktionskleidung und vernünftige Schuhe gewandetes Wesen, gerne pensionierte Studienrätin / pensionierter Studienrat einer Gruppe von Studiosus-Reisenden die Welt erklärt. Wahrscheinlich entspricht diese Vorstellung so gut wie nie der Realität, unser Guide zumindest, Nande Junias, lebt selbst in der Township, durch die er seine Gruppen führt. Die Einrichtungen und Projekte, die er vorstellt, bekommen einen Teil von Nandes Einnahmen für ihre Mitarbeit und darüber hinaus Spenden und sie verdienen ggf. noch Geld über die Verkäufe von selbst hergestellten Waren (in unserem Fall wurden zwei Armbänder und eine CD erworben). Im Vergleich mit der spaßbetonten Aktivität gestern, dem Quad-Riding, war die Township-Tour natürlich eher intellektuell ausgerichtet, aber mindestens genauso toll. Wir haben unheimlich viel über das Leben in Namibia, die Identitätsbildung der einheimischen Bevölkerung über das Gefühl der Zugehörigkeit zu ihrem Stamm, über die Ausgrenzung zur Zeit der Apartheid und das Leben in der Township heute erfahren. Dazu nur soviel: Es ist nicht die Armut, die die Menschen in der Township hält, sondern das Lebensgefühl und der familiäre Zusammenhalt, der in einem Staat ohne jegliche soziale Absicherung ungeheuer wichtig ist. Wer zu Geld kommt, hat durchaus die Möglichkeit, seine Lebensbedingungen auch innerhalb der Siedlung den neuen Verhältnissen anzupassen, sich ein entsprechendes Haus zu bauen etc. Es werden allerdings auch unterschiedliche Prioritäten gesetzt; in den folgenden Bildern wird das vielleicht deutlich:

Das grüne Bauwerk im Vordergrund stellt ein Haus dar, ohne Fenster, nur aus einem Raum bestehend, hier lebt jemand, evtl. sogar eine Familie. An die Hütte angebaut ist eine Garage, in der ein Auto steht, für das in Namibia sicher die Hälfte des Geldes, das für den Bau eines schöneren Haus nötig wäre, auf den Tisch gelegt werden muss. Prioritäten werden halt unterschiedlich gesetzt.

Das alles kann natürlich nicht darüber hinwegtäuschen, dass es auch echte Armut und damit zusammenhängend hohe Kriminalitätsraten in Namibia gibt. Die Arbeitslosigkeit in den Townships beträgt 40%!

Die beiden Jungen im Vordergrund waren total fasziniert von der Drohne, die die beiden Spanierinnen, die mit uns auf der Tour waren, dabei hatten (ich auch!!!). Am Ende hat die eine der beiden Damen ihnen die Funktion dieser Kamera gezeigt, und sie waren selig. Im Hintergrund sieht man eine Siedlung, in der Menschen darauf warten, ein Haus zu günstigen Kredit-Bedingungen zu erhalten, in dem sie dann leben können. In dieser Siedlung leben die beiden Jungen.

Ich poste wirklich NIE mein Essen irgendwo im Internet, das wäre in den allermeisten Fällen auch sehr eintönig, heute mache ich aber mal eine Ausnahme: Uns wurde eine typisch namibische Mahlzeit serviert, ein Bestandteil waren Raupen – aus diesen werden nie mehr Schmetterlinge! Hier Bilder dieser Tierchen im rohen und gekochten Zustand:

Ich wurde davon überzeugt, eine zu probieren und fühlte mich wie im Dschungelcamp … schmeckt wie es aussieht!

Es gibt noch stapelweise Bilder von diesem Ausflug, auf Nachfrage stelle ich sie gerne ein, es war wirklich ein Erlebnis und eine echte Bereicherung! Hier einige weitere Fotos:

Für die linguistisch Interessierten unter uns; ich habe nicht wirklich zugehört, es gab so viel Spannenderes als die unterschiedlichen Klicklaute …

Die Außenwand einer Hütte ein einem Projekt zur Förderung von Frauen, es gab keine Baugenehmigung, und dies ist ja keine Mauer, sondern nur eine Flaschensammlung.

Eine unbekannte Dame, aus dem Auto heraus fotografiert.

Am Nachmittag gab es ein Kontrastprogramm, wir sind mit dem SUV nach Cape Cross gefahren und haben eine gigantische Seehundkolonie besichtigt, sehr lärm- und geruchsintensiv, eigentlich war mehr der Weg das Ziel, durch die Wüste zu fahren und gleichzeitig den Atlantik zu sehen ist ein echtes Erlebnis. Aber die Seehunde waren auch süß.

Der Kopf dieses Seehundes steckt nur in den Streben des Stegs, der für die Besuchenden der Kolonie gebaut wurde, das Tier hat alle Freiheit der Welt und hängt auch nicht fest.

Schlafen können sie echt gut!